Wenn es ein Wort gibt, das zu dem neuen Film des chinesischen Regisseurs Bi Gan passt, dann ist es Hingabe. Bi Gan erzählt in „Resurrection“ (Bonner Kinemathek, Lichtspiele Kalk, Odeon, OFF Broadway) nicht nur eine Geschichte, er erzählt sechs verschiedene Geschichten, die auf den ersten Blick wenig gemein haben – abgesehen vom Protagonisten und der Rahmenhandlung. Gan reiht Fragmente aneinander, die konsequent das sinnliche Erleben vor Logik stellen. Wer detailliert verstehen möchte, was hier auf der Leinwand vor sich geht, wird am Ende frustriert den Kinosaal verlassen – belohnt wird dagegen, wer sich auf eine atmosphärische Reise in surreale Traumwelten einlassen kann. „Resurrection“ spielt in einer nicht näher definierten dystopischen Zukunft, in der Menschen aufgehört haben zu träumen. Denn, so die allgemeine Überzeugung: „Menschen, die nicht träumen, sind wie Kerzen, die nicht brennen“ – sie leben ewig. Individuen, die von dieser Regel abweichen und es wagen, dennoch zu träumen, sind sogenannte Fantasmer – sie werden verfolgt und gelten als abtrünnig. Nun taucht eine anonyme Frau auf (Shu Qi), die einen Fantasmer (Jackson Yee) in seine Träume verfolgt und versucht, ihn zurückzuholen. Durch insgesamt fünf Episoden verfolgt die anonyme Frau den ebenso namenlosen Fantasmer: durch eine Stummfilmwelt, eine actiongeladene Thrillerszenerie, eine buddhistische Parabel, ein sozialkritisches Aufstiegsmärchen und einen modernen Neo-Gothic-Vampirfilm, der ohne jegliche Schnitte auskommt. Mit „Resurrection“ gelingt es Gan, dem ästhetischen und sinnlichen Erleben unserer Träume eine Form zu geben, sie festzuhalten und erfahrbar zu machen – als etwas, das nicht verstanden, sondern nur erfahren werden kann. Und: Er schafft mit eine fantasievolle Ode an das Kino als Ort des kollektiven Träumens und der Hingabe.
Der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1973) wurde schon so manches Biopic gewidmet. Regina Schilling („Kulenkampffs Schuhe“) schlägt in ihrer Mischung aus Dokumentation und Reenactment, bei dem Sandra Hüller in die Rolle Bachmanns schlüpft, aber auch stets als sie selbst erkennbar bleibt, völlig neue Wege ein „Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war“ (Cinenova, Filmhaus, Odeon, Weisshaus) ist kein gewöhnliches Porträt, sondern ein Film, der ständig zwischen Fakt und Fiktion wechselt und das Publikum dabei fordert. Hüller rezitiert Bachmanns Texte und stellt deren Leben auf anachronistische Weise in einer Wohnung in Rom nach. Herausgekommen ist dabei ein insbesondere für Fans der Autorin spannendes filmisches Experiment, das zwar nicht leicht zugänglich, aber dennoch lohnenswert ist.
Bear (Michael Johnston) ist besessen von Kollegin Nikki (Inde Navarrette) und wünscht sich nichts sehnlicher, als dass sie seine romantischen Gefühle erwidert. Als er in einem dubiosen Laden eine „One-Wish-Willow“ kauft, nutzt er seinen Wunsch, um sich Nikkis Liebe zu sichern – überzeugt, dass es sich um ein harmloses Spielzeug handelt. Doch sein Wunsch wird wahr: Nikki weicht ihm nicht mehr von der Seite. Was wie ein wahrgewordener Traum scheint, entwickelt sich zu einem Albtraum. Mit weniger als 1 Million Dollar Budget hat Barker – ursprünglich als YouTuber bekannt – einen Horrorfilm geschaffen, der von Genrefans als neuer Klassiker gefeiert wird. Vor allem die originelle Ausgangsidee und die beeindruckende Leistung von Inde Navarrette in der Hauptrolle machen „Obsession – Du sollst mich lieben“ (Cinedom, Cineplex, OFF Broadway, Residenz, UCI) für Horrorfans sehenswert.
Alle Neustarts der Woche finden Sie unter: Neu im Kino.
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