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Fragen der Zeit      Zukunft JETZT


POLITIK-LABOR – Ein Thema, drei Schwerpunkte: Aufmacher, Interviews, Europa-Artikel, Glosse und Lokaltexte aus Köln, Wuppertal und dem Ruhrgebiet

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Composing: Robert Michalak
 

Nach der Arbeit/Freizeit oder freigestellt?
Intro (Link zur Langfassung)

Der Klassenkampf von oben nimmt Fahrt auf. Aus der CDU kommt die zynische Forderung, die „Lifestyle-Teilzeit“ einzuschränken. Dabei belegen Studien, dass eine Reduzierung der Arbeitszeit sich durchaus positiv auswirkt – für alle Seiten. Natürlich gibt es auch Millionen, die für die Lohnarbeit nicht gemacht sind: zum Teil, weil sie auf dem Arbeitsmarkt überflüssig werden, zum Teil, weil sie dem Fetisch Arbeit abschwören. Erstere werden mit ALG oder Bürgergeld abgefertigt. Die zweite Gruppe nimmt das „Recht auf Faulheit“ für sich in Anspruch oder möchte einfach nach „ihrer Fasson“ leben und arbeiten. Eine Gesellschaft, die immer reicher wird, in der dieser Reichtum aber immer ungleicher verteilt wird, könnte sich das bedingungslose Grundeinkommen definitiv leisten, wenn sie es denn wollte. Da das Ende des Kapitalismus immer noch nicht in Sicht ist, braucht es alternative Konzepte, für ein besseres Leben im falschen.

Nach der Arbeit/Freizeit oder freigestellt?
Teil 1: Grundeinkommen

Es ist noch nicht so lange her, da wurde in linken Kreisen das Recht auf Faulheit diskutiert. Das gleichnamige Buch von Paul Lafargue aus dem Jahr 1883 wurde zum Bestseller. Doch die Zeiten haben sich geändert. Nicht nur in Deutschland beherrscht der Fetisch Arbeit das Leben: Erst kommt die Arbeit, dann das Vergnügen. Wer nichts leistet, ist nichts wert. Der vermeintliche Neid auf den Reichtum ist allerdings eher der Neid der Reichen. Hat das bedingungslose Grundeinkommen in diesem Klima und vor allem im Kapitalismus überhaupt eine Chance? Und falls ja: Wie könnte es aussehen? Gemäß der European Union Statistic on Income and Living Conditions (EU SILC) lag die Armutsgrenze für eine alleinstehende Person im Jahr 2024 bei 1.446 Euro netto pro Monat. Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen jährlichen Steigerung von ca. 50 Euro würde die Armutsgrenze 2026 entsprechend bei 1.550 Euro liegen. Reicht das zum Leben? Wir blicken auf Initiativen, Beispiele und Widerstände.

Nach der Arbeit/Freizeit oder freigestellt?
Teil 2: Teilzeit für mehr Lifestyle

Spätestens seit der von der Union angestoßenen Debatte um eine angebliche Lifestyle-Teilzeit wird in Deutschland wieder über die Arbeitszeit debattiert. Leider geht es dabei nicht um eine Verkürzung, sondern um Mehrarbeit und längere Arbeitszeiten. Dabei gibt es zahlreiche Untersuchungen, die zeigen, dass Arbeitszeitverkürzungen sowohl den Beschäftigten als auch den Betrieben zugutekommen. Viele Erwerbstätige (77 Prozent) können sich eine Viertagewoche gut vorstellen. Voraussetzung dafür ist für 63 Prozent der Befragten der volle Lohnausgleich. Doch die Realität sieht leider anders aus: Nur in einer von 1.000 Stellenanzeigen wird die 4-Tage-Woche im Jahr 2024 tatsächlich angeboten. Zudem ist das Angebot der 4-Tage-Woche seit 2019 kaum gestiegen. Warum ist das so und wie kann man das ändern? Welche Angebote gibt es oder müssen wir gar über völlig neue Modelle der Arbeit und des Wirtschaftens nachdenken?

Nach der Arbeit/Freizeit oder freigestellt?
Teil 3: Arbeitslos hoffnungslos?

Fast jeder zweite Beschäftigte war in seinem Berufsleben schon einmal arbeitslos. Im Jahr 2026 waren durchschnittlich rund 3,1 Millionen Personen arbeitslos gemeldet, davon galt jeder Dritte als Langzeitarbeitsloser. Betroffen sind vor allem Migranten, Frauen und Absolventen der „Gen Z“. Die wirtschaftlichen, gesundheitlichen und psychischen Folgen sind immens. Nicht wenige schaffen es nicht mehr, ihr Leben zu meistern. Dazu kommt das gesellschaftliche Stigma, dass Arbeitslose faul und an ihrer Situation selbst schuld seien. Ohne fremde Hilfe kommen sie aus der Situation nicht mehr raus. Hinzu kommt, dass, statt den Betroffenen zu helfen, immer schärfere Sanktionen ausgesprochen werden. Es gibt zahlreiche Menschen und Initiativen, die sich um die Schicksale kümmern. Doch auch ihre Arbeit wird zunehmend schwerer: Die Zahl der Bedürftigen steigt, öffentliche Mittel und Spenden gehen zurück, außerdem werden die Ehrenamtlichen immer älter. Aufgeben ist trotzdem keine Option.

Nach der Arbeit/Freizeit oder freigestellt?
Teil 4: Was tatsächlich gegen Arbeitslosigkeit hilft – Europa-Vorbild Dänemark

Die drei Säulen flexible Arbeitsplätze, soziale Absicherung und Unterstützung bei der Wiedereingliederung haben das Problem der Arbeitslosigkeit in Dänemark abgefedert und ein Umfeld geschaffen, in dem Vertrauen statt Bestrafen im Vordergrund steht. Während arbeitslose Deutsche viele Monate damit verbringen, Bewerbungen zu schreiben und mit Sanktionen rechnen müssen, wenn sie sich nicht fügen, bekommen Dänen normalerweise innerhalb weniger Tage Unterstützung vom Staat. Wer seinen Job verliert, wird automatisch bei kommunalen Jobcentern registriert. Betroffene erhalten sofort einen Zugang zu Beratungs- und Schulungsmöglichkeiten. Dahinter steht die Überzeugung, dass Arbeit zwar ein wesentlicher Bestandteil der Gesellschaft ist, aber nicht der moralische Maßstab sein darf, an dem der Wert von Menschen gemessen wird.

Nach der Arbeit/Freizeit oder freigestellt?
Teil 5: Arbeit schläft nie. Auch ihre Jünger nicht – Glosse

„Was ist unser Daseinszweck? Was erfüllt unser Leben mit Sinn und unsere Herzen mit Licht und Wärme? Um uns daran zu erinnern, liebe Gemeinde, haben wir uns heute hier versammelt.“ „Ich hasse Montage“, flüstere ich zu Julia. „Heute ist Mittwoch“, spricht sie aus dem Mundwinkel, ohne den Blick von dem Bildschirm abzuwenden. „Die hasse ich genauso. Denn jeden Tag ist es eh derselbe Mist“, sage ich und gähne. „Die Antwort ist nicht neu und sie ist einfach, liebe Gemeinde. Doch allzu oft vergessen wir sie in dieser heutigen chaotischen Zeit“, fährt der Mann in dem MS-Teams-Fenster auf dem Monitor in gewohnt einschläferndem Ton fort. „Liebe Gemeinde, wir sind hier, Sie sind hier für die nächsten acht vertraglich vereinbarten und zwei freiwilligen zusätzlichen Stunden an diesem Ort, damit Sie Ihren Dienst an unserem Herrn und Gott leisten können: der Arbeit. Wir leben, um zu arbeiten.“

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