Im Dezember diesen Jahres wäre der große Kölner Schriftsteller Heinrich Böll 100 Jahre alt geworden. Was wäre da angebrachter, als eine Porträt-Hommage an den berühmten Künstler zu veranstalten, die die Freiheit der Kunst zelebriert und damit gleichzeitig Bölls Wirken und Denken spiegelt und würdigt?
Die Kulturkirche Ost ist ein besonderer Ort der kulturellen und künstlerischen Begegnung. In enger Zusammenarbeit mit René Böll (einem der Söhne Heinrich Bölls) hat der aus Essen stammende Maler Oliver Jordan nun ein Werk geschaffen, das sich perfekt in eben diese Räumlichkeit eingliedert. Die auf Leinwänden und Pappe gefertigten Porträts Jordans treten in Beziehungen mit der fragmentarischen Struktur der Kirchenwände und scheinen sich völlig in das Gebäude einzufügen. Durch dieses individuelle Zusammenspiel kann sich eine spezielle Intensität und Ruhe zwischen Werk und Raum entfalten.
Ein Großteil der Porträts zeigt verschiedenste gesellschaftskritische und freidenkende Geister wie Franz Kafka, Samuel Beckett und Albert Camus, die allesamt wichtige Inspirationsquellen und Bezugspunkte für Böll gewesen sind. „Hier und heute geht es also nicht um das Schritthalten, sondern um das Ausscheren, um die anderen Töne und die anderen Blickwinkel, die zu neuen Wegen werden können.“ Mit diesen Worten eröffnet die Kölner Kulturdezernentin Frau Dr. Susanne Laugwitz-Aulbach ihre Rede zur Ausstellung und verdeutlicht so die Lebenseinstellung und Intention der abgebildeten Künstler sowie von Oliver Jordan selbst.

Es ist jedoch das Porträt von Heinrich Böll, das bei Betreten der Kirche zuallererst ins Auge fällt. (Und das nicht nur auf Grund seiner Größe und der mittigen Platzierung im Ausstellungsraum!) Besonders die Tatsache, dass es auf einem großen Stück Pappe gefertigt wurde, diesen Bildträger jedoch nicht ganz ausfüllt, steigert seine Anziehungskraft. So wirkt das Gemälde einerseits fragil, andererseits umso authentischer und aussagekräftiger.
Betrachtet man die einzelnen Porträts von Nahem, fällt auf, dass der Maler nicht nur sehr viel Ölfarbe verwendet, sondern diese auch sehr unregelmäßig und bruchstückhaft auf Leinwänden und Pappe verteilt. Jedes einzelne Porträt ist gesäumt von Kratzern, Löchern und anderen Störungen – gewinnt so jedoch an Plastizität. Frau Dr. Gundula Caspary, die Direktorin des Stadtmuseum Siegburg, sieht diese brüchige Ästhetik als eine Art Widerstand gegen die allgemeine Bilderflut der heutigen Welt. Jordan stelle sich mit einer bewusst nicht perfekt gearbeiteten Oberflächenstruktur gegen die unnatürliche Reflexion einer künstlichen Bilderwelt. Er erschaffe ein Paradoxon zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, dass sich im übertragenen Sinne auf das Leben und Wirken der gezeigten Protagonisten beziehen lasse.
Am Samstag, den 10. Juni 2017 gibt es um 19 Uhr ein ausstellungsbegleitendes Rahmenprogramm. Gestaltet wird es von der politischen Philosophin Katja Backhaus („Widerstand ist ein Freiheitsrecht“ – zum Freiheitsbegriff von Heinrich Böll) und der Schauspielerin Claudia Gahrke (Lesung aus dem Werk von Heinrich Böll, u.a. ein unveröffentlichter Auszug aus dem Kriegstagebuch von 1943-45, das im Herbst veröffentlicht wird). Der Eintritt ist frei.
„Augenblicke – Hommage an Heinrich Böll“ von Oliver Jordan | bis 13.6., Di-Sa 17-20.30 Uhr | Kulturkirche Ost, Kopernikusstraße 34 | Eintritt frei | www.boell100.com
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