Mit Disco und New Wave eroberte die Elektronik die Popmusik. Kurz zuvor wurde aber schon eifrig in anderen Formaten experimentiert: Der Krautrock entfaltete elegische Klangwelten und der Progressive Rock hatte hier und da auch Elektronik-Anteile. Richard Pinhas war mit seiner Band Heldon ein früher Vertreter von beidem. Die Heldon-Alben wurden bereits wiederveröffentlicht, nun folgen Pinhas Solowerke: Nach „Rizosphere“ (‘77) sind dies „Chronolyse“ () und „East / West“ (‘80). Wie bei allem von Pinhas sind die Eckpunkte Elektronik à la Berliner Schule und Progressive Rock à la King Crimson. „Chronolyse“ klingt wie eine elektronische Version der Minimal Music und damit sehr vibrierend. Nur schade, dass die Stücke wie kurze Skizzen wirken. „East / West“ ist dann Pinhas‘ üblicher Spagat zwischen Kraut- und Progressive Rock, nur dass jetzt noch die New Wave mit anklingt (bureau b). Chris Carter von Throbbing Gristle hat wie andere Industrial-Pioniere – z.B. Cabaret Voltaire – bereits Mitte der 70er Jahre elektronisch experimentiert. Die Box „Miscellany“ mit seinen Soloalben „Mondo Beat“ (‘85), „Disobedient“ (‘98) und „Small Moon“ (‘99) enthält auch „Archival Recordings“ mit unveröffentlichten Stücken der Jahre ‘73 bis ‘77, die Carters Einfluss auf TG deutlich erkennen lassen (Mute).
À propos Industrial: Listener unfriendly waren auch Mark Stewarts Exkursionen nach der Auflösung seiner politischen Punk-Funk-Band The Pop Group. Ab 1981 hatte er sich schon als Mitglied der New Age Steppers mit Dub verbrüdert. Zusammen mit deren Produzent Adrian Sherwood entstand dann 1983 sein erstes Soloalbum „Learning to cope with“. Zusammen mit seiner Studioband The Maffia erforscht er den Soundkosmos von Reggae, Post Punk, Industrial und dem von ihm gerade in New York entdeckten Hip Hop und lässt alles in collagenhaften Kakophonien kollidieren. Ergänzt wird das Reissue von „The Lost Tapes“, nochmal zehn bislang unveröffentlichten Stücken aus dieser Zeit (Mute). Viel harmonischer, aber dennoch radikal im Klang: Orchestre Abass war eine Funkband aus Togo, die Anfang der 70er Jahre harten Funk mit exzessivem Orgeleinsatz und tollen Melodien verband. Mit „De Bassari Togo“ werden sechs neu entdeckte, mitreißende Stücke versammelt (Analog Africa).
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