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Foto: Köln im Film e.V.

Köln als Geburtsstadt des Kinos

22. April 2026

Stefanie Wüster-Bludau über die Jubiläumsveranstaltung „Wir feiern 130 Jahre bewegte Bilder“ – Portrait 04/26

Am 20. April 1896 fand in Köln die erste öffentliche Filmvorstellung Deutschlands statt. Die Köln im Film e.V. zeigt zum Jubiläum an gleich vier Orten ein Programm mit frühen Stummfilmen der Lumière-Brüder, von Georges Méliès, Ludwig Trautmann und Lotte Reiniger.  Die Filme werden live vertont von Rolf Springer und Kornelius Heidebrecht. Stefanie Wüster-Bludau, Kuratorin und Co-Leiterin der Köln im Film e.V., über ein besonderes Programm und Köln als ersten Kino-Ort.

Frau Wüster-Bludau, ist es das erste Mal, das Sie als Verein mit einer Veranstaltung über die Kölner Stadtgrenzen hinaus gehen?

Nein, auch wenn der Name des Vereins Programm ist, schauen wir sowohl bei der Auswahl der Filme als auch bei der Zusammenstellung unserer Programme gerne über die Stadtgrenzen hinaus. Für unser Jubiläumsprogramm zu „130 Jahren Film" haben wir bewusst nicht nur Kölner Filme ausgewählt. Die Entwicklung des Mediums Film fand an vielen Orten in der Welt zeitgleich statt. Und sogar die allerersten Filmaufnahmen aus Köln entstanden aufgrund einer deutsch-französischen Kooperation: Ludwig Stollwerk, Kölner Schokoladenfabrikant und Technikbegeisterter, lud die Brüder Lumière und deren Kameramänner ein, um die ersten Aufnahmen in der Stadt zu drehen. Diese nahmen dann im Mai 1896 ähnliche Motive und Szenen in Köln auf, wie sie sie bereits im Jahr zuvor in Frankreich gedreht hatten. Zudem zeigen wir Filme von Pionieren und Pionierinnen der Filmgeschichte, die zu ihrer Zeit etwas völlig Neues geschaffen haben. Alice Guy war die weltweit erste Filmemacherin, Lotte Reiniger war mit ihrer einzigartigen Scherenschnitttechnik Vorreiterin im Bereich Animationsfilm. Bei der Auswahl der Filme geht es uns hauptsächlich darum zu zeigen, wie sich der Blick auf die Welt durch das Medium Film veränderte und wie daraus eine eigenständige Kunstform entstand.

Heutzutage flimmert und bewegt es sich auf allen möglichen Medien rund um die Uhr. Lässt sich überhaupt noch vermitteln oder erahnen, wie die ersten bewegten Bilder auf ein Publikum gewirkt haben?

Das lässt sich aus heutiger Sicht nur noch schwer erahnen. Die ersten „bewegten" Bilder waren ja zunächst auf Jahrmärkten, Varietés und in Ladenlokalen zu sehen. Das waren meist kurze humorvolle Szenen wie „Männer beim Skat spielen" oder „boxende Kängurus", die das Publikum zum Lachen brachten. Auf den Jahrmärkten und in den Ladenlokalen war es laut, es wurde Bier getrunken und durcheinandergeredet, die Menschen liefen wahrscheinlich ständig durch das Bild und die Projektionstechnik war auch noch sehr rudimentär. Also noch weit entfernt von dem, was wir heute unter Kino verstehen. Von den ersten öffentlichen Filmvorführungen der Brüder Lumière, die in extra dafür angemieteten Sälen liefen, berichtete die Presse bereits von einem begeisterten Publikum, das „reichlich Beifall“ spendete, und lobte die „überraschende Natürlichkeit" der Szenen. Ich denke, dass die Menschen damals einfach fasziniert von der lebensechten Bewegung waren. Die ersten Bilder waren banale Alltagsszenen, z.B. ein einfahrender Zug oder Menschen, die durch eine Tür kamen, jedoch nicht als starres Bild, sondern in einer natürlichen Bewegung. Das war etwas ganz Neues und Faszinierendes, was die Menschen so noch nie gesehen hatten.

Köln war mit der ersten öffentlichen Vorführung die Geburtsstadt des Kinos. Sie arbeiten seit Jahrzehnten an der Kinogeschichte Kölns - und man hat den Eindruck, dass das Interesse an dieser Kinogeschichte zugenommen hat. Empfinden Sie das auch so?

Das wäre natürlich wünschenswert. Unser Interesse an dem Thema lässt auf jeden Fall nicht nach. Wir von Köln im Film versuchen unseren Teil dazu beizutragen, die Kino- und Filmgeschichte Kölns weiterhin bekannt zu machen. Sowohl in regelmäßigen Filmveranstaltungen als auch auf unserer umfangreichen Website zeigen wir der Öffentlichkeit, wie der Film nach Köln kam und wo die ersten Kinohäuser entstanden sind, aber auch, wie sich Film in Köln bis heute weiterentwickelt hat. Die Resonanz auf unsere Veröffentlichungen hat in den letzten Jahren zugenommen, auch über unsere Social-Media-Kanäle, wo nochmal ganz andere Zielgruppen angesprochen werden, ist dies deutlich spürbar. Und unsere langjährige Zusammenarbeit mit dem Kölnischen Stadtmuseum ist weiterhin sehr erfolgreich: Ab Herbst freuen wir uns darauf, Sie in der gemeinsamen Ausstellung zu „130 Jahre Film“ im Open Space begrüßen zu dürfen. Dazu wird es dann auch nochmal ein vielseitiges Begleitprogramm geben. 

Das Programm „Wir feiern 130 Jahre bewegte Bilder“ ist am 19.4. im Filmforum im Museum Ludwig, am 26.4. im Linden-Theater Frechen und am 4.5. im Anneliese Geske Musik- und Kulturhaus Erftstadt zu sehen, bevor es am 10.5. noch in der Black Box im Filmmuseum Düsseldorf gastiert. Weitere Informationen auf www.koeln-im-film.de

Interview: Rüdiger Schmidt-Sodingen

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