Der Mai ist übrigens nach seinem Erfinder, Karl Mai benannt.
Moment mal, so fing doch meine letzte Kolumne an –
und so geht das nicht weiter,
denn alles neu macht der Mai.
Gestern stellten wir fest, dass die Winter immer länger und kälter werden. Heute knallen am anderen Ende der Welt die Atomkraftwerke durch und morgen kann uns die Schuldenkrise den Finanz-Tsunami bescheren. Da wenden wir uns doch angewidert vom Weltgeschehen ab und beschäftigen uns lieber mit dem Glück.
Mal beginnt es mit einem Jucken in den Zehenspitzen, mal mit einem nicht mehr zu verhehlenden Grummeln in der Magengrube. Mal ist es pure Abenteuerlust, mal die unendliche Suche nach einem irgendwie gearteten Sinn, dann wiederum schiere Notwendigkeit, ausgelöst vom Überlebenstrieb zur Befreiung von körperlicher und/oder geistiger Pein. Raus, bloß raus hier.
Auch am Schreibtisch kann man sein Leben verlieren. Eine Schriftstellerin entgeht nur durch Zufall dem Tod, weil Jugendliche im Nachbargarten mit einer geladenen Pistole spielen. Eine Episode, die sich in der Realität zugetragen hat. Paula Fox beschreibt sie in dem Band „Die Zigarette und andere Stories“...
Mit „Im Schatten junger Mädchenblüte“ wird Stéphane Heuets Adaption von Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ fortgesetzt. Nach den Kindheitserinnerungen in „Combray“ macht der nun adoleszente Protagonist erste Erfahrungen mit der Oberschicht und deren so faszinierenden wie hohlen Spielregeln.
Damit meint der Volksmund, übrigens nach seinem Erfinder Karl-Gustav Volksmund (1646-1716) benannt, natürlich das Wetter. Im April darf es schneien und scheinen, es darf regnen und strahlen, es darf hageln und winden, der April ist der Blanko-Monat für Klimafreifahrten. Wären die Monate Kirmesfahrgeschäfte, wäre der April die Geisterbahn.
Wenn man ein sanftes Drücken spürt, dass sich von innen gegen die Schläfen lehnt, bis sich schließlich ein schmaler Spalt im Schädel auftut, aus dem vorsichtig hervorsprießend ein Osterglöckchen nach ersten Sonnenstrahlen sucht, dann wird es Metapher, bzw. Frühling; kurz: März.
Nä, was geht es dieser Tage wieder jeck zu in den Hochburgen und Möchte-gern- Kapitalen von Jux und Dollerei. Närrische Tollitäten allerorten. Gewandet und verkleidet, um sich unter spaßigem Deckmäntelchen in unverhohlener Frivolität Wams und Mieder vom Leib zu reißen und endlich mal wieder ganz schamlos den sinistren Urfreuden des irdischen Seins zu fröhnen.
Hanns Zischler kennt man seit Jahrzehnten als Schauspieler. Dass er 1968 den Alpheus Verlag gründete, den er vor einigen Jahren reaktivierte, ist weniger bekannt. Nun tritt er auch als Autor eines Comics auf: „Aus der Nachwelt“, dynamisch und grob straffiert illustriert von Friederike Gross, erzählt von einem erfolglosen Maler, dem Besuch aus der Zukunft ins Haus steht. Und der erzählt ihm von seiner großen, posthumen Retrospektive...
Was waren das noch für Zeiten, als sich Marcel Reich-Ranicki mit Sigrid Löffler über eine pornografische Szene in Haruki Murakamis Roman „Gefährliche Geliebte“ zoffte und die ganze Nation am Bildschirm miterlebte, wie Löffler nach zwölf gemeinsamen Jahren das Tischtuch des „Literarischen Quartett“ zerschnitt. Literatur erregte die Gemüter der Fernsehwelt, zuletzt noch 2008 als Reich-Ranicki den Deutschen Fernsehpreis ablehnte, weil ihm das Fernsehprogramm wie ein einziger großer „Blödsinn“ erschien.

Beziehungen
„Du findest mich, wenn du willst“ von Lavinia Branişte – Literatur 03/06
Auf den Spuren des Honigs
„Ivy und Bärlock Holmes. Fall 1: Die rätselhafte Blume“ von Kristyna Litten – Vorlesung 03/26
Das Glück der Stiefel
„Die gelben Gummistiefel“ von Isabel Pin – Vorlesung 03/26
Atem eines großen Erzählers
„Wintermythologien“ von Pierre Michon – Textwelten 03/26
Schmunzeln und Mitgefühl
„Opa Bär und die Schuhe im Kühlschrank“ von Anne und Paul Maar – Vorlesung 02/26
Unwiderstehlicher kleiner Drache
„Da ist besetzt!“ von Antje Damm – Vorlesung 02/26
Glück und Unglück
„Niemands Töchter“ von Judith Hoersch – Literatur 02/26
Exzentrik kann zärtlich sein
„Mitz. Das Pinseläffchen“ von Sigrid Nunez – Textwelten 02/26
Beziehungen sind unendlich
„Schwarze Herzen“ von Doug Johnstone – Textwelten 01/26
Bewusst blind vor Liebe
„Mama & Sam“ von Sarah Kuttner – Literatur 01/26
Jenseits des Schönheitsdiktats
„Verehrung“ von Alice Urciuolo – Textwelten 12/25
Nicht die Mehrheit entscheidet
„Acht Jahreszeiten“ von Kathrine Nedrejord – Literatur 12/25
Power Kid
„Aggie und der Geist“ von Matthew Forsythe – Vorlesung 11/25
Allendes Ausflug ins Kinderbuch
„Perla und der Pirat“ von Isabel Allende – Vorlesung 11/25
Die Liebe und ihre Widersprüche
„Tagebuch einer Trennung“ von Lina Scheynius – Textwelten 11/25
Inmitten des Schweigens
„Aga“ von Agnieszka Lessmann – Literatur 11/25
Mut zum Nein
„Nein ist ein wichtiges Wort“ von Bharti Singh – Vorlesung 10/25
Kindheitserinnerungen
„Geheimnis“ von Monika Helfer und Linus Baumschlager – Vorlesung 10/25
Appell an die Menschlichkeit
Navid Kermanis Lesung im MAKK – Lesung 10/25
Im Spiegel des Anderen
„Der Junge im Taxi“ von Sylvain Prudhomme – Textwelten 10/25
Die Front zwischen Frauenschenkeln
„Der Sohn und das Schneeflöckchen“ von Vernesa Berbo – Literatur 10/25
Alpinismus im Bilderbuch
„Auf in die Berge!“ von Katja Seifert – Vorlesung 09/25
Keine Angst vor Gewittern
„Donnerfee und Blitzfee“ von Han Kang – Vorlesung 09/25
Roman eines Nachgeborenen
„Buch der Gesichter“ von Marko Dinić – Literatur 09/25
Süß und bitter ist das Erwachsenwerden
„Fliegender Wechsel“ von Barbara Trapido – Textwelten 09/25