Politik, Glück, Liebe und Menschlichkeit: Darum geht es Navid Kermani bei seiner Lesung im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK). Vor vollbesetztem Saal stellt der Schriftsteller, Reporter, Publizist und habilitierte Orientalist im Gespräch mit WDR-Journalist Ulrich Noller sein neues Buch vor: „Wenn sich unsere Herzen gleich öffnen. Über Politik und Liebe“. Zu Beginn des Abends spricht Kermani über die Entstehung seines Buches – und zeigt klare politische Haltung. Er betont die Bedeutung offener Diskussionen und warnt vor ihrem Schwinden: „Eine Öffentlichkeit, an der alle teilhaben, wird immer weniger“. Umso wichtiger seien Orte der Kultur, die Begegnung und Austausch fördern. Kermani nennt solche Zusammenkünfte „politische Momente“, die Feindschaften überwinden und den Zusammenhalt stärken.
Diesem Gedanken geht er auch in seinem Buch nach, in dem er persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Ereignissen verknüpft. Es vereint sechs Reden und einen Brief an seine Tochter zum 18. Geburtstag, befasst sich mit gesellschaftlichen Konflikten und will zur Begegnung als Mittel gegen Spaltung und Entfremdung ermutigen. Den ernsten Themen begegnet Kermani mit Hoffnung und Zuversicht – eine Haltung, die er als das „Podest, auf dem die Texte stehen“ beschreibt.
Im Gespräch warnt Kermani vor autoritären Tendenzen, gesellschaftlicher Spaltung und einem wachsenden Rechtsruck als Gefahren für die Demokratie. Mit Blick auf den Verlust demokratischer Werte fragt er: „Wenn es diesen Maßstab nicht mehr gibt, was passiert dann mit dem Westen?“. Sein Buch versteht er als Mahnung, diesen Entwicklungen entgegenzuwirken. Zum Abschluss appelliert Kermani an Verantwortung, Dialog und Menschlichkeit. Er kritisiert den Umgang der Bundesregierung mit dem Nahost-Konflikt und ihre Orientierung an den USA. Seine Forderung: die Menschenwürde bewahren und neue Wege finden, um Solidarität und Zusammenhalt zu stärken.
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