Tierprodukte zu vermeiden, klingt einfacher als es ist. Beim Kleidungskauf scheint die Sache noch eindeutig zu sein: Lederschuhe und -kleidung sind tabu, ebenso Seide, da die Seidenraupen während des Produktionsprozesses getötet werden. Für Wolle muss zwar kein Schaf sterben, doch die meisten Veganer lehnen auch die Haltungsbedingungen von Nutztieren als inakzeptabel ab, weshalb auch Wollpullover in ihren Kleiderschränken nichts zu suchen haben. „Erlaubt“ sind Textilien aus pflanzlichen Rohstoffen, wie Baumwolle, Hanf oder auch aus Eukalyptus hergestellte, sogenannte Regeneratsfasern. Doch auch in Farbstoffen sind oft Tierprodukte enthalten – so wird etwa Karminrot teilweise noch immer aus Schildläusen hergestellt. „Auch bei Knöpfen muss man aufpassen“, sagt Marlies Binder, die in ihrem Kölner Laden „Green Guerillas“ ökologische und fair gehandelte Mode verkauft, „denn die werden oft aus Horn hergestellt.“
Auch Kosmetik war lange Zeit für Veganer nur mit Vorsicht zu genießen, da diese früher standardmäßig im Tierversuch getestet wurde. Hier hat sich in den letzten Jahren jedoch einiges getan: 2004 wurden Tierversuche für Kosmetik erstmals EU-weit verboten, was jedoch nicht für importierte Produkte galt. Seit 2013 ist nun sowohl der Verkauf, als auch die Einfuhr von an Tieren getesteten Kosmetika innerhalb der EU verboten – für Medikamente gilt dies jedoch nicht. Inzwischen gibt es allerdings Alternativen zu Tierversuchen, so zum Beispiel im Labor gezüchtete menschliche Zellkulturen oder künstliches Hautgewebe.
Tierische Produkte verstecken sich jedoch auch in ganz anderen Erzeugnissen, von denen es der Durchschnittskonsument nie vermuten würde. „Zum Beispiel in Zahnbürsten“, sagt Anette Klietz, Inhaberin des bekannten Kölner Shops Vegane Zeiten. „Denn die Borsten werden meist mit tierischen Fetten behandelt.“ Tierische Fette und Wachse seien ohnehin fast allgegenwärtig, etwa bei der Herstellung von Seifen. „Die Rohstoffe kommen dann meist aus der Abdeckerei, das ist natürlich sehr appetitlich“, weiß Klietz. Um den Konsumenten Hilfe zu leisten, gibt es daher eine Reihe von veganen Gütesiegeln, zum Beispiel die Veganblume der Vegan Society, die an Produkte vergeben wird, die ohne Tierprodukte oder Tierversuche auskommen.
Letztlich ist aber eine hundertprozentig vegane Lebensweise in der heutigen Konsumlandschaft nicht möglich, darüber sind sich die meisten einig. „Und vegan allein macht auch nicht heilig“, sagt Klietz. „Ob die Waren dann auch ökologisch oder nachhaltig sind, steht noch mal auf einem anderen Blatt.“ Auch für Marlies Binder ist dies ein wichtiger Punkt. „Schuhe aus Kunstleder sind zwar vegan, aber auf Erdölbasis hergestellt, das ist für mich keine Alternative – bei Unfällen wie im Golf von Mexiko sterben schließlich Millionen von Tieren.“ Klietz plädiert daher für Gelassenheit. „Solange man nach seinem besten Wissen handelt, ist schon viel gewonnen.“
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