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Starre Regeln helfen hier nicht weiter
Foto: (Ausschnitt) Odua Images/Adobe Stock

Die unmögliche Schule

26. März 2026

Teil 1: Leitartikel – Lernen und Lehren zwischen Takt und Freiheit

8.00 Uhr, zwei Stunden Mathematik. 9.30 - 9.45 Uhr, Pause. Zwei Stunden Deutsch. Später noch Englisch und Kunst, einstündig. Dazwischen Mittagspause, Mensa oder Cafeteria. Im späteren Leben werden die Zeitslots anders benannt: Teambesprechung, Präsentation und Einführung ins neue Filing System. Außentermin.

In der Schule wird man auf das Leben vorbereitet, heißt es. Es stimmt, hier beginnt die Durchtaktung des Lebens. Die wichtigste Lektion scheint jene zu sein, dass mensch funktionieren muss im System. Im 19. Jahrhundert beginnt es, ein vermeintlich humanistisches Schulsystem wird aufgebaut. Zufälligerweise in jenem Jahrhundert, in dem auch nationalstaatliche und demokratische Prozesse anfingen, sich durchzusetzen. In dem die Wirtschaftsfrage eine nationalökonomische, eine volkswirtschaftliche wurde. Dieses System benötigt etwas: funktionierende und (gut) ausgebildete Arbeitskräfte, die sich an einem Leistungsdenken orientieren und im besten Fall auch die sich fortsetzenden Ungleichheiten als gottgegeben hinnehmen. Die (un-)mündigen Staatsbürger:innen.

Freiheit und Jugend sind nicht systemisch

Der schulische Raum, er war nie angelegt auf das, was die Jugend ausmacht: Bewegungsdrang, Neugier, Trotz und Rebellionslust, Provokation. Im Gegenteil, dies hat dort keinen Raum, wird ggf. sanktioniert. In jener Zeit, in der sich unsere mannigfaltigen Unterschiede mit Blick auf Geschlecht, Identität oder Interessen entwickeln können, in der wir wohl fluider sind als jemals danach im Leben, wird uns die Starrheit des Systems auferlegt.

Das ist nicht völlig falsch, denn die völlige Freiheit wird es in den Systemen, in denen wir leben, nie geben. Freiheit ist nicht systemisch. Genauso wenig wie Jugend. Schule hat etwas mit Erziehung zu tun und diese muss wohl oder übel auch Grenzen setzen. Doch sollte Schule eben auch ein Ort sein, der bildet, der fördert, der tatsächlich dazu führt, unser Potential zu entwickeln, damit wir ebenjenes einbringen können in das Gesellschaftssystem, in dem wir leben.

Schule von vorgestern

Ein Schulsystem, was in seinen Grundfesten aus dem 19. Jahrhundert kommt, wie soll es das leisten, im 21. Jahrhundert? Auf die Dynamik von heute mit starren und willkürlichen Konzepten aus der Vergangenheit zu reagieren, dies kann nur scheitern. Wir wissen längst, dass Noten, selbst sogenannte Intelligenzquotienten, in erster Linie Leistungsbereitschaft messen, aber eben nicht Fähigkeiten, Talente, Potentiale. Trotzdem halten wir daran fest, an dieser scheinbaren Objektivität einer scheinbar meritokratischen Gesellschaft. Wer mal einen Studienplatz in Medizin ergattern will, hatte besser in Religion und Kunst nur Einsen. Dies mag etwas über die Wahrscheinlichkeit des sogenannten Studienerfolgs aussagen, jedoch nichts über die tatsächliche Qualität als Arzt oder Ärztin zu arbeiten.

Die Quadratur des Kreises

Die Schule muss das Unmögliche möglich machen: Die Quadratur des Kreises. Es ist nicht per se verwerflich, dass sie auch ein Ausbildungsort ist, für den Arbeitsmarkt, für die Gesellschaft. Doch soll dort wirkliches Potential entfaltet werden, dann muss sie noch viel mehr sein. Ein Ort, an dem Bildung nicht nur als Mittel zum Zweck gelehrt wird, in der sich Kinder und Jugendliche ausprobieren können ohne Leistungs- und Bewertungsdruck. Denn nur dann können sie wirklich und wahrhaftig etwas leisten. Innovative Konzepte gibt es genug. Es liegt an den Erwachsenen, den Mut zu haben, diese zu bedienen und einen neuen Takt zu versuchen.

Paul Tschierske

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