
Liebesbriefe aus Nizza
Frankreich 2024, Laufzeit: 95 Min., FSK 6
Regie: Ivan Calbérac
Darsteller: André Dussollier, Sabine Azéma, Thierry Lhermitte
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Französische Seitensprung-Komödie
Wenn alte Sünden auftauchen
„Liebesbriefe aus Nizza“ von Ivan Calbérac
Wenn die eigene Gattin fremdgeht, kann das schmerzhaft sein. Am Ego kratzen. Erst Recht, wenn Mann (pensionierter) Offizier und gewohnt ist, dass die eigenen Befehle befolgt werden – auch zu Hause. Doch nach wie vielen Jahren ist ein Seitensprung verjährt? Verziehen und vergessen?
Als François (André Dussollier) beim Aufräumen des Speichers einen Stapel alte Briefe findet und liest, die an seine Frau Annie (Sabine Azéma) adressiert sind, erfährt er, dass sie ihn vor vierzig Jahren mit Boris, (Thierry Lhermitte) einem Freund aus der damaligen gemeinsamen Clique „betrogen“ hat. Erzürnt ist er! In seinem ganzen Stolz verletzt! Das kann ein Ehrenmann wie er nicht auf sich sitzen lassen. Eine Aussprache, eine Entschuldigung, ach was, vielleicht sogar ein Duell muss her! Dass Annie an seine Vernunft appelliert, ihn an die vierzig glücklichen Ehejahre erinnert, die sie verbracht haben, an die gemeinsamen Kinder – all das macht François um so entschlossener, diese „Schmach“ nicht auf sich sitzen zu lassen und nach Vergeltung zu trachten. Genauso selbstverständlich wie er es findet, Briefe zu lesen, die nicht an ihn adressiert sind, findet er es, ehemalige Untergebene für ihn spionieren zu lassen, um den Aufenthaltsort des Ex-Lovers herauszufinden. Mit der Anschrift bewaffnet geht es ab nach Nizza, um … ja, um was eigentlich zu tun? Annie will verhindern, dass François eine Dummheit begeht und begleitet ihn auf die Fahrt an die Côte d‘Azur. Außerdem könne man die Fahrt mit einem Besuch bei Tochter Capucine (Joséphine de Meaux), verbinden, die sich schon länger darüber beschwert, dass die Eltern sie nie besuchen. Allerdings kommt Capucine ihrerseits mit einer Überraschung um die Ecke, die die ganze Chose noch chaotischer macht.
Der Nebenbuhler von einst ist immer noch ein sportlicher Typ, macht Yoga, meditiert und lebt in einer schicken, modern eingerichteten Villa mit Pool. François hingegen ist ein sichtbar alternder Mann, der in einem konservativen Leben steckt. Da treffen Welten aufeinander. Welten trennen auch die zwei erwachsenen Söhne des Ehepaars. Ganz nach dem Geschmack des Vaters ist der ältere Sohn ebenfalls beim Militär, hat Frau und Kinder. Als völliger Versager hingegen betrachtet François seinen jüngeren Sohn, der sich als Puppenspieler verdingt. Könnte es sein, dass dieser gar nicht seinem Samen entsprungen ist? Auch wenn hier sehr viele Klischees bedient werden und Calbérac („Der Sommer mit Pauline“) mit einem zum Teil vorhersehbaren Plot und zu erwartenden Wendungen arbeitet, ist dieser Film dennoch sehr unterhaltsam. Dafür sorgen die treffsicheren Dialoge und die gut platzierten Überraschungen, die er dem Kinopublikum präsentiert. Diese sorgen garantiert für laute Lacher, selbst wenn man von sich glaubt, über solche Trivialitäten höchstens müde lächeln zu können.
Wer eine spritzige romantische Komödie sucht, wie sie die Franzosen meist gut hinkriegen, sollte sich diesen leichten Sommerspaß nicht entgehen lassen.
(Tina Adomako)

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