Unter dem Motto „Sieben Wege nach Ehrenfeld“ laden Künstler vom 6. bis zum 8. Oktober in die Räumlichkeiten der Rufffactory ein. In der ehemaligen Aufzugfabrik an der Venloer Straße präsentieren die in den Bereichen der Malerei, Fotografie, Videokunst und Bildhauerei aktiven Gäste aktuelle Arbeiten, die den Betrachter auf ganz unterschiedlichen Wegen dazu animieren, eigene Auffassungen von Normalität und Realismus zu hinterfragen. Mit einem kurzen Blick und einem Abnicken ist es bei den hier zur Diskussion und Betrachtung stehenden Arbeiten nicht getan.
Die Bilder des in Kabul geborenen Malers Kaikaoss ziehen den Betrachter in die Assoziationswelten eines Kosmopoliten, in denen der Besucher einen wahren Fundus an Symbolen und Allegorien erforschen kann. So realistisch-filigran seine Technik dabei auch ausfällt, sind die Welten, in denen sich seine Motive dabei verorten, zumeist phantasmagorische Fieberträume eines Künstlers, der das Staunen nicht verlernt hat. Die Acrylarbeiten eines Gerold Rebholz hingegen mögen zunächst aufgrund ihrer rot schimmernden Simplizität die Blicke auf sich ziehen. Doch zwingen seine Werke ihre Betrachter zu einem zweiten und dritten Blick, bei dem seine monoton scheinenden Bildwelten hinter verspielten geometrischen Versuchsanordnungen zurücktreten.

Auch Videokünstler Viktor Brim fordert den Begriff der Normalität heraus und präsentiert Installationen und Kurzfilme, die das vermeintlich Normale den gewohnten Blickwinkeln entreißt. Dass reproduzierende Kunstgattungen wie die Video- oder Fotokunst keineswegs nur das Faktische bebildern müssen, zeigt sich auch in Hinblick auf die Fotografie von Sven Lützenkirchen, die sich viel lieber der Dekonstruktion realer Motive widmet, als nur Bestehendes abzulichten. So braucht der Betrachter eine ganze Weile, bis er die Nachbearbeitung der Fotos in Gedanken wieder abbauen kann, um ursprüngliche reale Formen zu erkennen.

Auch Skulptur-Künstler haben ihren Weg nach Ehrenfeld gefunden. So erschafft Georg Krautkrämer geometrische Formen, Schleifen und Möbiusbänder, die sich ineinander verschlingen und weder Anfang noch Ende zu kennen scheinen. Figürliche Reproduktion und eine Abarbeitung an realistischen Modellen ist seine Sache nicht. So lädt die Betrachtung seiner abstrakten Formen eher dazu ein, eigene Gedanken im Fluss der Formen treiben zu lassen, als die Akkuratesse einer Abbildung zu bestaunen. Die in ihrem Minimalismus formschönen Steinschalen von Markus Schürmeyer strahlen indes eine Harmonie aus, die sich den Fragestellungen der anderen ausgestellten Werke entzieht. Zum Gebrauch sind sie dennoch zu schade, aber vielleicht liegt darin schon die nächste Fragestellung in Bezug auf Normalität.
Sammelausstellung „7 Wege nach Ehrenfeld“ | Eröffnung: Do 4.10. 18-22 Uhr | Fr-Sa 11-20 Uhr, So 11-18 Uhr | Rufffactory, Venloer Str. 474 | Facebook
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Glühender Zorn
„Das Teufelsbuch“ von Asta Olivia Nordenhof – Textwelten 07/26
Vom Gehen und Bleiben
Die Filmstarts der Woche
„Im Augenblick sehe ich keine kritische Masse für eine breite Bewegung“
Teil 1: Interview – Politologe Alexander Gallas über Protest, Streik und Generalstreik
Von Tod und Teufel
„Walpurgisnacht“ in der Kölner Philharmonie – Klassik am Rhein 07/26
Den Banken widersprechen
Island und das Gemeinwohl – Europa-Vorbild Island
Nach wie vor relevant
„Virginia Woolf’s Night & Day“ im Cinenova – Foyer 07/26
Auf sich gestellt
„Wir gehen mal los“ von Raffaella Romagnolo – Literatur 07/26
Von Hexen und Psychiatern
Sinfoniekonzert „Dämonen“ an drei Orten im Ruhrgebiet – Klassik an der Ruhr 07/26
Giftige Hirngespinste
„The blind Owl / Die blinde Eule“ am Theater der Keller – Tanz in NRW 07/26
Gegen den Wohnsinn
Holgers letzte Worte – 07/26
Mehr als einem lieb sein kann
Teil 1: Leitartikel – NS-Erbe: Das Arbeitsrecht unterdrückt politischen Widerstand von Beschäftigten
Kopfzustände
„Two Queens“ am Metropol Theater – Auftritt 07/26
Was uns im Juli erwartet
Das „größte Fest aller Zeiten“, Fußball und Kino – Vorspann 07/26
Stille Hochkaräter
2. Even Flow Festival am Tanzbrunnen – Festival 06/26
Für die ganze Familie
Kostenloses Open-Air-Programm beim „Sommer Köln 2026“ – Prolog 06/26
Schule mit Herz und Humor
„Shrimpie und ich“ von Moni Port und Claudia Weikert – Vorlesung 06/26
Oppositionelle in der DDR
„Bärbel Bohley – Tagebuch einer Auflehnung“ im Filmhaus – Foyer 06/26
Die eigene Karte als Kompass
„Ich mal mir meine Welt“ von Nicola Davies – Vorlesung 06/26
Emotionaler Kraftakt
„Il Trovatore“ an der Düsseldorfer Rheinoper – Oper in NRW 06/26
Die Skyline im Blick
Benjamin Schmid in Düsseldorf – Klassik am Rhein 06/26
Liebe ohne Chancen
„Tancredi“ als queeres Drama an der Kölner Oper – Oper in NRW 06/26
Skulpturen vom Menschen
Louise Stomps im Kollwitz Museum – kunst & gut 06/26
Zwischen Erinnerung und Widerspruch
Lesestunde zu Christa Wolf im Buchladen Sülzburgstraße – Literatur 06/26
Klangschlacht
„Verdi Requiem“ an der Essener Philharmonie – Klassik an der Ruhr 06/26
Entspannt unterwegs
Teil 1: Lokale Initiativen – Köln: KVB-Kampagne für mehr Freundlichkeit