Das junge Kaninchen Perlin lebt mit seiner Familie, Igeln, Eichhörnchen und weiteren Tieren in einem Dorf im Wald. Ausgerechnet beim jährlichen Picknick aller Bewohner zieht ein Sturm auf. Die Tiere fühlen sich in ihrer Umgebung nicht mehr sicher und ergreifen die Flucht. Nach einem langen Marsch kommt Perlin mit seinen Eltern bei einer Dachsfamilie unter. Hier harren sie aus, bis das Wetter sich bessert. Einzig das Dachsjunge reagiert abweisend, weil es nicht ahnt, wovor die Tiere geflohen sind, und seine Höhle nicht teilen will.
Das Duo aus Kindergärtnerin und Buchautorin Sophie Moronval und Illustratorin Éloïse Oger hat eine in Text und Bild gut abgestimmte Geschichte rund um Zusammenhalt, Heimweh und Resilienz geschaffen. Die Illustrationen sind detailreich und laden zum Entdecken verschiedener Nuancen des Zusammenlebens und Zusammenhalts angesichts des Unwetters ein. Für diese Themen und das Heimweh des jungen Kaninchens liefern sie zahlreiche Gesprächsanreize.
Eine Gesprächsgrundlage, die das Buch rund um Überschwemmungen und Klimaflucht bieten soll, eröffnet sich allerdings nur in Andeutungen. Warum wissen die Tiere sofort, dass sie im Dorf angesichts des Sturms nicht mehr sicher sind? Ähnliche Ereignisse aus der Vergangenheit oder Wissen über Extremwetter werden nicht behandelt. Starkregen bilden Illustrationen und Text zwar ab, nicht aber eine Überschwemmung. Solche Bezüge müssen Erwachsene herstellen, wenn sie das Buch mit Kindern in dieser Lesart besprechen möchten. Die Ansätze dafür liefert das Buch dennoch. Es bringt die Hoffnung zum Ausdruck, dass sich so ein Unwetter nicht wiederholt; das ermöglicht Gespräche über die Ängste für den Fall, dass es doch so kommt.
Der Tag, an dem der Sturm alles wegfegte | Illustrationen: Éloïse Oger | Minedition | ab 4 Jahren | 32 S. | 16 Euro
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Haare zu lang, Röcke zu kurz
„Swinging Cologne“ von Stefan Winges – Textwelten 05/26
Drei Stimmen, drei Türen zur Lyrik
7. Ausgabe des Festivals Anderland in der Stadtbibliothek – Lesung 05/26
Mein Opa und die Nazis
Judith Hermann liest in Bonn
Vergiftung des Lebens
Christoph Peters liest in Köln
In Belarus verboten
Alhierd Bacharevič im Stadtgarten
Verdrängtes Kapitel
Svenja Leiber im Literaturhaus Köln
Bunte Welten
Gratis Comic Tag 2026 an diversen Orten
Neuer Bilderbuch-Klassiker
„Mit dem Sturm um die Wette rennen“ von Brian Floca und Sydney Smith – Vorlesung 04/26
Wenn Wände Ohren haben
„Engel des Verschwindens“ von Slobodan Šnajder – Literatur 04/26
Die Unendlichkeit erleben
„Liebe“ von Thomas Hettche – Textwelten 04/26
Beziehungen
„Du findest mich, wenn du willst“ von Lavinia Branişte – Literatur 03/26
Unwiderstehlicher kleiner Drache
„Da ist besetzt!“ von Antje Damm – Vorlesung 02/26
Schmunzeln und Mitgefühl
„Opa Bär und die Schuhe im Kühlschrank“ von Anne und Paul Maar – Vorlesung 02/26
Glück und Unglück
„Niemands Töchter“ von Judith Hoersch – Literatur 02/26
Exzentrik kann zärtlich sein
„Mitz. Das Pinseläffchen“ von Sigrid Nunez – Textwelten 02/26
Meeresbewohner zum Anfassen
„Zusammenstecken und Entdecken: Meerestiere“ von Abigail Wheatley – Vorlesung 04/26
Ein Italien der Mythen
Autor Eric Pfeil liest am Comedia Theater aus „Hotel Celentano“ – Lesung 04/26
Auf den Spuren des Honigs
„Ivy und Bärlock Holmes. Fall 1: Die rätselhafte Blume“ von Kristyna Litten – Vorlesung 03/26
Das Glück der Stiefel
„Die gelben Gummistiefel“ von Isabel Pin – Vorlesung 03/26