Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29

12.651 Beiträge zu
3.868 Filmen im Forum

Sein Tiny House in Rodenkirchen ist für den ehemaligen Obdachlosen Gheorge zum Lebensmittelpunkt geworden
Repro: Thomas Dahl

Ohne Filter

08. Januar 2024

„Draussensicht“ in der Oase – Kunstwandel 01/24

Köln ist tolerant, weltoffen, geschichtsträchtig und an jedem Wochenende eine große Party. Köln ist aber von Vorurteilen gegenüber anderen geprägt, schwer belehrbar und von sich selbst berauscht. Realitäten prallen hier – wie in anderen Metropolen – vehement aufeinander. Subjektive Sichten auf Köln offenbart die aktuelle Ausstellung am Sitz des Oase e.V. auf der Alfred-Schütte-Allee. Im Offenen Treff der Beratungsstelle für Menschen, die von Wohnungs- oder Obdachlosigkeit betroffen sind, halten vier Amateurfotograf:innen auf mehr als 30 Bildern ihre Wahrnehmung der Stadt fest.

Ausgestattet mit Einmalkameras, die von der Dr. Peter Deubner-Stiftung finanziert und durch Streetworker:innen des Vereins an die Interessent:innen verteilt wurden, hielten Gheorge, Doro, Reiner und der vor einigen Monaten verstorbene Lothar ihre Umgebung im Sommer 2023 ohne Filter fest. Auch hier offenbart sich zumindest das doppelte Gesicht der Stadt: Malerische Sonnenaufgänge über schlafenden Dächern und leerstehende Holz-Verschläge, die zumindest ein wenig Schutz vor Kälte oder Hitze bieten sollen, liegen in den Darstellungen nah beieinander. Ein bislang nicht nutzbarer (weil stromloser) Kühlschrank wird dabei zum ganzen Stolz eines Tiny House-Bewohners, denn das Objekt vermittelt einen Anflug von Wohlstand und erscheint zumindest als verschließbares Regal nutzbar. Aber auch Unverständnis spiegelt sich in den Bildnissen: So ist etwa ein Kiosk zu sehen, dessen Besitzer das mühsam gesammelte Leergut des Fotografen nicht annehmen wollte. Blanke Hausfassaden reflektieren dagegen die schützenden Wände von Wohnungen, ohne die rund 6000 obdachlose Menschen alleine in der Domstadt täglich auskommen müssen. Kuratorin Anemone Träger hebt zu Recht die Authentizität der Aufnahmen hervor. Nichts sei gestellt. Der Augenblick steht bei „Draussensicht“ im Fokus und berichtet in kurzen, unverblümten Sätzen vom Leben am Rande der Gesellschaft. Eine sehenswerte und nachdenklich stimmende Dokumentation.

Draussensicht | bis 29.1. | Offener Treff, Oase Benedikt Labre e.V. | 0221 989 35 30

Thomas Dahl

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Neue Kinofilme

Der Astronaut – Project Hail Mary

Lesen Sie dazu auch:

Die eigene Umgebung
„Lebensräume“ in der Photographischen Sammlung

Die Schätze des Pharaos
„Tutanchamun“ in Köln-Ehrenfeld

Aus der Perspektive
Ingrid Wiener im Marta Herford – Kunst in NRW 01/26

Vom Lächeln in der Fotografie
„Smile!“ in den Fotoräumen im Museum Ludwig

Köln im Winter
Mitmach-Ausstellung im Kölnischen Stadtmuseum

Die Geschichten in einem Bild
Gregory Crewdson im Kunstmuseum Bonn – Kunst in NRW 11/25

Grau-Weißer Farbenrausch
Steffen Lenk in der Galerie Anke Schmidt – Galerie 10/25

Das Konzept der Fotografie
Bernd und Hilla Becher in der Photographischen Sammlung – kunst & gut 10/25

Das Leben in seinen Facetten
Wolfgang Tillmans in Remscheid – Kunst in NRW 09/25

Licht sehen
Johanna von Monkiewitsch in der Kunst-Station Sankt Peter – kunst & gut 09/25

Falterflirren unter der Haut
Sarah Caillard in der Galerie R;68 – Kunst 08/25

Letzte Ernte in Eden
Drei Kölner Ausstellungen über Natur und Kunst – Galerie 08/25

Im Labyrinth des Raumes
Simon Schubert im Neusser Feld-Haus

Rendezvous mit der Schöpfung
Das Projekt „WERKnah“ von der Künstlergemeinschaft Grevy – Kunst 07/25

Träume im Haferfeld
Drei Kölner Ausstellungen über Sagen und Fantasien – Galerie 07/25

Kunst.