
Interstellar
USA 2014, Laufzeit: 162 Min., FSK 12
Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain
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Episches Science-Fiction-Drama
Die fünfte Dimension
“Interstellar” von Christopher Nolan
Unsere Erde in baldiger Zukunft. Die Verschwendungssucht und der Raubbau der Menschheit rächen sich. Pflanzen sterben aus, Lebensmittel sind knapp. Der wichtigste Job auf Erden ist jetzt der des Farmers. Auch in den USA, wo man gar die Armee auflöst, um alle Reserven in die Landwirtschaft zu stecken. So ergeht es auch Cooper (Matthew McConaughey). Ein Pilot und Ingenieur, der nun mit seiner Tochter Murph und seinem Sohn Tom auf einer Farm lebt und Mais erntet. Doch das Klima dreht durch. Ein weiterer gewaltiger Sandsturm hinterlässt in Murphs Zimmer seltsame Spuren, die Cooper schon bald als Koordinaten entziffert und die ihn zu einer geheimen NASA-Station führen. Wenig später sitzt der Pilot am Steuer eines Shuttles, das seine Crew durch ein Wurmloch führen soll. Dahinter vermutet die NASA bewohnbare Planeten.
Es war bloß eine Frage der Zeit, wann Regisseur Christopher Nolan, der momentan begnadetste Erzähler des epischen, großen Hollywoodkinos, die irdisch angesiedelten Gefilde und Comicwelten hinter sich lässt und ins Weltall vorstößt. Wie schon bei „Memento“, „The Dark Knight“ und „The Dark Knight Rises“ verfasste Nolan gemeinsam mit seinem Bruder Jonathan das Drehbuch. Die Brüder wollen hoch hinaus und kratzen unverblümt an Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“. Mit Zitaten, mit epischer Größe, mit dem nachhallenden erzählerischen Ansatz. „Interstellar“ ist ein 170-Minuten-Drama, das vom selbstbestimmten Schicksal der Menschheit unter dem Einfluss einer außerirdischen Intelligenz erzählt und sich dabei der fünften Dimensionen annähert. Ein Epos, in dem der Raum gekrümmt wird und sich die Zeitebenen so verbiegen, wie seit Nolans „Inception“ nicht mehr. Hofkomponist Hans Zimmer orientiert sich dazu anmutig an Kubricks Odyssee und den Arrangements von Philipp Glass. Ein pompöses Science-Fiction-Drama, das den menschlichen Egoismus thematisiert und an die Notwendigkeit erinnert, nach der das Individuum für sein eigenes Fortbestehen zuallererst an seine gesamte Spezies denken muss.
„Interstellar“ hat das Pech, dass ihm letztes Jahr das Weltraumabenteuer „Gravity“ vorauseilte, das im Hinblick auf interstellare Atmosphäre und Intensität Maßstäbe setzte, die so schnell nicht getoppt werden dürften. Nolan entzieht sich einer solchen Auseinandersetzung und setzt vielmehr auf eine klassische Bildinszenierung, jedoch nicht ohne akzentuiert atemberaubende Sequenzen einzubauen. Kompositionen aus Schnitt, Soundgestaltung und berauschender, visueller Effekte. Wie schon in seiner Dark-Knight-Trilogie kommen dabei auch hochauflösende IMAX-Kameras zum Einsatz. Vor der Kamera vereint sich mit Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain und Michael Caine eine solide Darstellerriege. Casey Affleck, Matt Damon und John Lithgow starbesetzen die Nebenrollen. Vielleicht hätte dieses Opus die Länge nicht gebraucht. Vielleicht entlässt einen dieser Film weniger euphorisch als gewisse Vorgänger Nolans. Doch „Interstellar“ ist ein Film, den man sehen muss. Und er verlangt nach der großen Leinwand.
Oscars 2015: Beste visuelle Effekte
(Hartmut Ernst)

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