
Jim Queen
Frankreich, Belgien 2026, Laufzeit: 85 Min., FSK 16
Regie: Nicolas Athané, Marco Nguye
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Durchgeknallt-respektloser Animationsfilm
Grassierende Heterose
„Jim Queen“ von Marco Nguyen, Nicolas Athane
Schon der Titel „Jim Queen“ des Animationslangfilmdebüts von Marcel Nguyen und Nicolas Athane ist vielschichtig und originell, denn einer der Protagonisten hört eigentlich auf den Namen Jim Parfait (in der deutschen Fassung gesprochen von Vincent Fallow), ist aber eine echte „Gym Queen“, also ein schwuler Mann, der täglich ins Fitnessstudio eilt, um seine beachtlichen Muskeln zu stählen. Als Influencer hat das Kraftpaket Millionen Follower, einer von ihnen ist der schmächtige Twink Lucien (Tobias John von Freyend), der Sohn der Gesundheitsministerin Christine Bayer. Frau Mama darf nichts davon wissen, dass ihr 23jähriger Spross auf Männer steht, denn das würde absolut nicht in das Weltbild der konservativen Politikerin passen, die das Privatleben des jungen Mannes noch immer mit Argusaugen überwacht. Gerade, als Lucien sich ein Herz fasst und sich heimlich davonschleicht, um auf einer angesagten schwulen Party seinem Traummann endlich mal persönlich zu begegnen, breitet sich im Land eine seltsame Seuche aus, der man den Namen Heterose verpasst. Unzählige schwule Männer sind der Krankheit bereits zum Opfer gefallen, die die Betroffenen innerhalb kürzester Zeit heterosexuell werden lässt. Die Anzeichen dafür sind genauso alarmierend wie offensichtlich: Die Infizierten haben keinerlei modisches Bewusstsein mehr, lassen sich gehen und werden fett, sind ganz vernarrt in Fußball und wollen Familien gründen. Als Jim Parfait erfährt, dass ein gewisser Dr. Ragoult ein Gegenmittel gegen die Heterose entwickelt hat und dafür die Prostata von Lucien benötigt, macht er sich mit seinem Fan auf die Suche nach dem Wissenschaftler.
Erst vor wenigen Monaten feierte der auf der Berlinale 2025 mit dem Teddy als bester Spielfilm ausgezeichnete Animationsfilm „Lesbian Space Princess“ seine bundesdeutsche Kinoauswertung, nun legt mit der französisch-belgischen Koproduktion „Jim Queen“ bereits ein schwules Pendant nach. Auch dieser Film feierte auf einem A-Festival, in Cannes, seine Weltpremiere und ist stilistisch und inhaltlich ganz ähnlich konzipiert. Auch Marcel Nguyen und Nicolas Athane ist nichts heilig, sie sezieren die LGBTIQ-Szene mit viel Sachverstand und politischer Unkorrektheit, wobei ihre Gags deutlich häufiger ins Schwarze treffen als bei „Lesbian Space Princess“, was diesen schrillen, durchgeknallten und auch tiefgründigen Film noch unterhaltsamer macht. Denn vor dem Hintergrund einer klassischen Heldenreise, die ein ungleiches Gespann zusammenschweißt, begegnen Jim und Lucien so unterschiedlichen Gestalten wie der Drag Queen Glamydia (Philippa Jarke), dem Bären Robear oder dem Sniffer Michel, wodurch den unterschiedlichsten Farben des Regenbogens Tribut gezollt und zu mehr Solidarität und gegenseitigem Respekt aufgerufen wird. Dass Mr. Leather 2012 und seine knallharte Truppe der Gaystapo angehören, zeugt ebenfalls von der originellen Respektlosigkeit der Filmemacher.

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