Es gibt 412 Beiträge von Raspa
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02.02.2016
In den Kritiken, die ich gelesen habe, wurde die treffende soziale Darstellung und die unsentimentale Liebesgeschichte zwischen dem Titelhelden und der scheuen Alice gelobt. Dem kann ich mich auch durchaus anschließen, deswegen auch mein Vergleich mit ähnlich gearteten britischen Filmen. Die Handlung ist jedoch etwas zäh, der Erzählrhythmus war mir teilweise allzu bedächtig. Ein netter Film mit guten Darstellern, aber der große Wurf ist er nicht.
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09.01.2016
Again, weil Todd Haynes ja bereits vor 13 Jahren mit "Dem Himmel so fern" einen großartigen Film über jene Epoche gedreht hat, der viele Parallelen zu seinem neuen Werk aufweist. In beiden Fällen flüchtet sich eine Frau ( jeweils von grandiosen Darstellerinnen verkörpert, nämlich Julianne Moore und Cate Blanchett ) in eine nach damaligen Maßstäben unmoralische und zu sanktionierende Beziehung, damals in die zu einem schwarzen Angestellten, hier zu einer jungen Verkäuferin und Hobbyfotografin ( wichtig, weil Blicke solch eine wichtige Rolle spielen ). Wie damals lässt Haynes wieder der Liebesgeschichte viel Zeit, sich zu entwickeln, und auch diesmal ist die Atmosphäre dieser Epoche sehr detailliert erfasst. Wer sich auf ein bedächtiges Erzähltempo einzulassen bereit ist, wird, nicht nur von Cate Blanchett, mit hervorragenden darstellerischen Leistungen belohnt.
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05.01.2016
"Ein seltsamer Hybrid", so wurde der Film, glaube ich, im "Spiegel" genannt, und das trifft durchaus zu. Denn die erste Hälfte könnte auch "Eine schrecklich verrückte Familie" oder so ähnlich heißen, Joy erscheint als die einzig normale erwachsene Person, umgeben von Nerds und Sturköpfen, abgesehen von der Großmutter, die aus dem Off ab und zu die Handlung kommentiert ( sogar sehr aus dem Off, wie man später erfährt ). Mit der Erfindung des "Miracle Mop" beginnt dann eine typische "American Dream" - Story, mit den entsprechenden Höhepunkten, jähen Abstürzen und finalem Triumph. Muss man das sehen? Nein, das muss man sicher nicht. Gleichwohl wird man nicht sclecht unterhalten. Jennifer Lawrence als Joy stellt erneut ihr großes Talent unter Beweis, Bradley Cooper ist ein etwas zu enthusiastischer Machertyp, und Robert de Niro spielt halt Robert de Niro.
Zum Schluss noch etwas Anderes: Wie einer der letzten Kommentatoren war auch ich diesmal in einer frühen Vorstellung. Es waren noch Ferien, und so sah man viele Eltern mit Kindern, die zum Teil viel zu jung sind für die Filme, in die man sie hineinschleppt. Vier- und Fünfjährige sollen sich am hintergründigen Witz der "Peanuts" ergötzen, und etwas ältere Kinder sehen sich mit den Eltern "Star Wars" an. Alles viel zu früh, wie ich finde. Aber was soll man machen? So ist das eben heute.
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21.12.2015
Nun ja, im Kino kommen die Schauwerte wahrscheinlich besser zum Tragen. Ich sah den Film nun im Fernsehen und fand, dass er über einen bunten Mittelalter - Bilderbogen mit vielen Genreszenen kaum hinauskommt. Handlung und Charaktere: sehr holzschnittartig. Kann man sich ansehen, ist aber keineswegs ein Werk, das man gesehen haben muss.
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02.12.2015
Das sind Turners letzte Worte in diesem Film, und sie sind bezeichnend für diesen Künstler, dem das Licht über alles ging. Eine Kritik, die ich las, trug die Überschrift "Ein grober Klotz mit zartem Strich", sehr treffend, wie ich finde. Gegen Ende seines Lebens muss er mit mehr und mehr Unverständnis seiner Umwelt zurande kommen, nicht zuletzt von Seiten der Royal Family. Der Film hat gewisse Längen, das muss man zugeben, aber mir hat Timothy Spalls Darstellung ausnehmend gut gefallen. Er zeigt sowohl das Grobianische an Turner ( eine, wie man lesen kann, verbürgte Eigenschaft des Males ) als auch sein Arbeitsethos und seine Sensibilität. Wie er als schon betagter Mann den reichen Magnaten, der ihm 100.000 Pfund für sein Gesamtwerk bietet ( eine damals gigantische Summe ), abblitzen lässt, das ist ganz große Schauspielkunst. Und das macht den, wie gesagt, gelegentlich etwas langsam fließenden Film doch sehr sehenswert.
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19.11.2015
Schottland, 11. Jahrhundert. Eine Umwelt, rau, unwirtlich, abweisend. Die Themen: Angst, Neid, Eifersucht, Ehrgeiz, Machtgier, Rache, Besessenheit. Und die Folgen: "What's done cannot be undone", wie es Lady Macbeth konzis formuliert. Eine ferne Welt, und doch so nah. Düster in Szene gesetzt, glänzend gespielt, auch von den Nebendarstellern ( exemplarisch sei der junge Darsteller von Fleance, Banquos Sohn genannt, der den Mord an seinem Vater mitansehen muss ). Sehenswert.
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04.11.2015
Ich hatte gehört, dies sei einer der besten Gefängnisfilme überhaupt und habe ihn mir deswegen auf DVD besorgt. Ich wurde auch keineswegs enttäuscht, der Film ist sehr spannend und hat zwei hervorragende Hauptdarsteller. Morgan Freemans sonore Stimme im Original zu hören ist ein besonderer Genuss. Gibt es Minuspunkte? Nun ja, das Ende ist ein wenig schmalzig geraten. Wohl eine Konzession ans breite Publikum, das vorher doch eine ganze Menge Brutalität erdulden musste. Es gibt sicher noch härtere Darstellungen des Gefängnisalltags, aber mir hat es auch so schon gereicht. Eine grauenhafte Vorstellung, unter solchen Umständen leben zu müssen.
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30.10.2015
Wir haben kurz nacheinander beide Filme gesehen, in denen es um Fritz Bauers Aufklärungsarbeit geht. Ich ziehe "Der Staat gegen Fritz Bauer" bei Weitem vor. Dies liegt nicht nur daran, dass Klaußner der gebrochenen Gestalt des Generalstaatsanwalts sehr viel überzeugender gerecht wird als der sonst so großartige Voss, bei dem er viel zu passiv erscheint. Es liegt vor allem daran, dass Ricciarellis Film eine Aura von gesellschaftskritischem Fernsehspiel mit didaktischer Intention verbreitet. Die Dialoge rascheln häufig papieren, und vieles hat einen angestrengt belehrenden Tonfall. Für junge Leute, für die die frühen 60er Jahre ferne Vergangenheit sind, ist der Film eventuell aufschlussreich, für ältere Zuschauer dagegen kaum.
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14.10.2015
Wenn ein Deutscher aus den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ein filmisches Denkmal verdient, dann Fritz Bauer. Wenn in Ländern wie Südafrika oder Chile oft lobend auf unser Land hingewiesen wird, das sich seiner Vergangenheit gestellt habe, dann muss man sagen: Ohne diesen Mann wäre dies nicht gelungen, wäre Eichmann in Argentinien unbehelligt geblieben und hätte es wohl auch keinen Auschwitz-Prozess gegeben. Klaußner spielt diesen Charakter mit einer enormen Intensität, er übertrifft noch seine grandiose Vorstellung aus dem "Weißen Band". Die Umwelt jener Zeit, die Bauer alle nur denkbaren Knüppel zwischen die Beine warf, macht heute noch schaudern. Diese Atmosphäre fängt Kraume hervorragend ein, unterstützt von einem zurückhaltenden, Miles Davis - ähnlichen Soundtrack, der nichts verkleistert, wie es bei Filmen mit politischer Thematik leider oft der Fall ist. Ein großartiges Werk!
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21.09.2015
Nun ja, Kultfilm, das geht mir ein bisschen zu weit. Dass der zweite Teil des Films, die Reise von der Schweiz nach Belgien, etwas in die Länge gezogen wirkt, schwächt den Gesamteindruck doch etwas. Es gibt aber viele reizvolle optische Ideen und starke schauspielerische Leistungen, so dass man den Besuch durchaus empfehlen kann. Es ist immer positiv, wenn es einen gut gemachten deutschen Film gibt, der nicht zur Gattung "Komödie" gehört ( auch wenn "Ich und K." durchaus auch komische Szenen enthält ).

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