Als Festival von Theatergruppen, die andere Theaterschaffende einladen, besitzt Urbäng seit jeher einen besonderen Reiz. Hier darf man stets das ganz Andere erwarten. In diesem Jahr lautet das Motto „The End of Amusement“. Die derzeitige Weltlage ist damit treffend beschrieben, aber hier ist auch eine mediale Landschaft gemeint, die schwatzhafte Verpackung durch fehlende Inhalte zu ersetzen versucht. Für Rosi Ulricht, eine der Regisseurinnen des veranstaltenden Netzwerks der Freihandelszone, hört der Spaß aber auch deshalb auf, „weil für die Theater immer weniger Geld vorhanden ist während der Verwaltungsaufwand weiter steigt“.
Ob die KI dabei eine Hilfe ist oder eher ein Instrument der Zerstörung? „Welche Wirkkraft besitzt die an den Menschen gebundene Kunst?“, fragt Rosi Ulrich. Für sie steht fest, dass Menschen interessanter und kreativer sind, aber die KI eben schneller ist. Der Belgier Ugo Dehaes greift das Thema mit seiner Performance „Simple Machines“ auf, in deren Verlauf er Roboter züchtet, die er zu Tänzern ausbildet und vom Publikum berühren und programmieren lässt. Marco Donnarumma verwandelt sich hingegen selbst in eine Art Alien. In „Ex Silens“ verzichtet er fast ganz auf das gesprochene Wort, arbeitet aber mit Text und Musik. Gebärdendolmetscher werden die akustischen Inhalte für taube Menschen übersetzen.
Aus der Ukraine kommt Oleksii Dorichevsky, er wird von der Front berichten, an der er gekämpft hat. Ein hartes Thema, aber Dorichevsky bringt sein Publikum zum Lachen. Dass er darin ein Meister ist, hat er schon in der Vergangenheit als Gast von Urbäng bewiesen. In seiner Produktion „The Edge of Fear“ kommt auch die Erotik nicht zu kurz, interaktive Beteiligung gehört für ihn unbedingt zum Theater.
„Das Leben ist abstrakt genug mit Onlinebanking und Gesundheitskarte“, meint Rosi Ulrich, deshalb geht es jetzt darum, Neues haptischer und Wissenschaft anschaulich zu machen. Die Neurologin Liya Yu berichtet in ihrem Vortrag „Hirn statt Moral“ von der Überforderung unseres Denkens und von seinen Möglichkeiten. Auch das ist Urbäng!
Urbäng 2026 | 7. - 10.10. | Orangerie Theater | 0221 985 45 30
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