

Es ist Ende Mai 2018, und auf den Straßen von Dublin wird gefeiert. Über 66 Prozent der abgegebenen Stimmen sind für die Verfassungsänderung zur Abschaffung des Abtreibungsverbots ausgefallen. Das Ergebnis des Referendums gegen den umstrittenen achten Zusatzartikel ist ein Sieg für Millionen irischer Frauen, ein Zeichen des Respekts vor ihnen und ein Ergebnis, dass ihnen Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper und die eigene Zukunft einräumt. Und es ist ein Sieg in einem langen Kampf.
Seit 1861 herrscht im konservativ geprägten Irland absolutes Abtreibungsverbot. 1983 wurde der achte Verfassungszusatz beschlossen, der jedem Fötus das gleiche Recht auf Leben wie der schwangeren Frau zusichert. Das bedeutete, dass Abtreibungen auch in Härtefällen nach Vergewaltigungen, Inzest oder bei einem schwerkranken Fötus verboten blieben, und mit bis zu 14 Jahren Gefängnis geahndet wurden konnte – eine der strengsten Gesetzeslagen Europas. Infolgedessen sahen sich jedes Jahr tausende Frauen gezwungen, für einen Schwangerschaftsabbruch ins Ausland zu fliegen. 2016 zogen zwei Irinnen bis vor die UN-Menschenrechtskommission und bekamen Recht: Das Abtreibungsverbot verstoße gegen internationale Menschenrechte.
Inzwischen ist die irische Gesellschaft liberaler geworden: Ministerpräsident Leo Varadkar freute sich über den Ausgang des Referendums und sprach von einer „stillen Revolution“ und einem „historischen Moment für irische Frauen“. Seit Januar 2019 ist das Gesetz in Kraft, dass es irischen Frauen ermöglicht, legal, im eigenen Land und von der Krankenkasse bezahlt, Schwangerschaftsabbrüche durchführen zu lassen. Die Eingriffe sind bis zur zwölften Schwangerschaftswoche erlaubt und es müssen drei Tage Bedenkzeit eingehalten werden, nachdem festgestellt wurde, dass man noch nicht länger als 12 Wochen schwanger ist. Auch danach sind Schwangerschaftsabbrüche in Härtefällen möglich.
Auch wenn die Gesetzeslage in einigen Ländern, beispielsweise den Niederlanden, noch liberaler ist, kann das Beispiel Irland auch in Deutschland Mut machen – Mut, niemals aufzugeben im Kampf gegen die Abtreibungsparagraphen 218 und 219 StGB, damit bald auch auf deutschen Straßen erleichtert gefeiert werden kann.
Lust auf Abtreibung - Lesen Sie weitere Artikel
zum Thema auch unter: trailer-ruhr.de/thema und engels-kultur.de/thema
Aktiv im Thema
svss-uspda.ch | Ursprünglich als Verein für die Legalisierung von Abtreibungen gegründet, informiert die Schweizer Initiative über verschiedene ethische Ansätze.
familienplanung.de | Ein breites Informationsangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu vielen Themen der Familienplanung
www.kjf-wuppertal.de | Die Diakonie Wuppertal hat in sowohl in Barmen als auch in Elberfeld ein Zentrum und berät bietet dort Schwangerenberatung an.
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