
Das Interkulturelle Zentrum ist Teil des Vereins Zurück in die Zukunft. Es ist Anlaufstelle für Menschen mit unterschiedlichen Anliegen: Manche suchen einen Weg zu kostengünstigen Deutschkursen, andere haben die B1-Sprachprüfung nicht bestanden und wollen sich erneut vorbereiten. Häufig scheitert es an fehlender Kinderbetreuung oder an den Kurskosten – mit der Folge, dass Betroffene auch Behördengänge nicht allein bewältigen können. „Ratsuchende haben meist Schwierigkeiten mit der Kommunikation zu Behörden und Ämtern“, berichtet Anna Kirches, die im Verein für Verwaltung und Integrationskurse zuständig ist.
Fehlende Sprachkenntnisse erschweren zudem die Sozialisierung: Wer die Sprache nicht erlernt, hat es schwer, sich in das Leben und die Gestaltung seines Bezirks einzubringen. Kirches betont, dass Menschen durch fehlende Hilfsangebote in diesem Bereich aktiv aus der gesellschaftlichenTeilhabe ausgeschlossen werden.
Hilfreiche Methoden
Angebote wie die kursbegleitende, mehrsprachige Kinderbetreuung durch engagierte Betreuerinnen ermöglichen es Familien, gleichzeitig sprachliche und finanzielle Grundlagen zu schaffen. Auch die Digitalisierung spielt eine wachsende Rolle: „Wir unterstützen im Rahmen von Beratungen bei der digitalen Nutzung von Behördenangeboten und bieten digitale Coachings an. Es gibt bereits etliche Angebote dieser Art", so Kirches. Gesucht werde derzeit eine stabile, langfristige Förderung, um einen festen und gut ausgestatteten Anlaufpunkt zu etablieren, an dem Menschen niedrigschwellige, professionelle Hilfe bei der Stärkung ihrer digitalen Teilhabefähigkeiten erhalten.
Ein weiteres Beispiel ist der Verein Zurück in die Zukunft e.V.: Dort engagieren sich seit drei Jahren mehrere herkunftssprachliche Frauengruppen eigeninitiativ und beteiligen sich mit selbstzubereitetem Essen und Trinken an verschiedenen Veranstaltungen. So bauen sie Vertrauensverhältnisse auf und zeigen den Teilnehmenden, dass sie auch über das bestehende Angebot hinaus eine Hilfe sind.
Motivation ist das A und O
„Gerade weil bestimmte Anliegen nicht gehört werden, verspüren viele Menschen das Bedürfnis, ihr eigenes Wissen und ihre Möglichkeiten für andere einzusetzen. Es ist aber natürlich sehr kräftezehrend, sich ohne politische Unterstützung zu engagieren", sagt Kirches. Die Erfolgserlebnisse der Teilnehmenden motivieren dazu, einander zu helfen – und erinnern viele an die Lehrpersonen, die ihnen in ihrer Anfangszeit in Deutschland halfen. Für Kirches ist eine interkulturelle Perspektive zentral, da Köln grundsätzlich von Einwanderung und Vielfalt geprägt ist. Neu hinzugezogenen Menschen helfen solche Angebote dabei, sich akzeptiert zu fühlen.
Wunsch für die Zukunft
„Wir wünschen unseine dauerhafte Finanzierung. Diese muss das Personal so finanzieren, dass Menschen für ihre Arbeit fair entlohnt werden können und sich nicht von einem befristeten Vertrag zum nächsten hangeln müssen. Außerdem braucht es Geld, um eine entsprechende Verwaltung zu finanzieren", so Kirches. Vertrauen und Verlässlichkeit stellen für die Zielgruppe des Zentrums eine wichtige Grundlage dar. Da das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in diesem Jahr die Zugangsvoraussetzungen für Integrationskurse eingeschränkt hat, wird die Forderung nach verlässlichen Strukturen lauter.
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