
Wer in Bochum eine hilfsbedürftige Fledermaus findet, der landet wahrscheinlich bei Marina Mariani. Seit rund anderthalb Jahren päppelt sie Fledermäuse in ihrem Wohnzimmer auf. Das Wissen für dieses ehrenamtliche Engagement hat sie sich selbst angeeignet. Sie ist Mitglied des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) und arbeitet mit dem Arbeitskreis Umweltschutz (AkU) Bochum fürden Fledermausnotruf zusammen, an den sich Menschen wenden können, wenn sie Fledermäuse gefunden haben, die krank, verletzt oder zu jung sind, um alleine zurechtzukommen.
Marina Mariani wohnt in Bochum. Hier bietet sie auch Bildungsangebote rund um Fledermäuse an. Ihr Lebensgefährte und ihr Sohn unterstützen sie, der aufwendige Einsatz für Fledermäuse wäre sonst nicht möglich, erklärt sie. In ihrer Wohnung haben die Fledermäuse mittlerweile ein eigenes Zimmer, hier hängen sie zwischen Handtüchern, umgeben von Mückennetzen. Anfänglich habe sie Fledermäuse niedlich gefunden, woraus dann diese Leidenschaft erwachsen sei. Für den Schutz der „Fellnasen“, wie sie die Tierenennt, gebe es drei Bereiche: Artenschutz, Bildungsarbeit und Tierschutz.
Handtücher und Mückennetze
Für den Artenschutz arbeitet Marina Mariani mit dem Umweltamt Bochum zusammen. Gesammelte Daten, beispielsweise über Fundorte und Wochenstuben, gibt sie einmal im Jahr an das Umweltamt weiter. Sie helfen dabei, Quartiere der Fledermäuse zu schützen. Als Autodidaktin in der Bildungsarbeit führt sie gemeinsam mit einer Kollegin Kinder und Erwachsene durch die Lebensräume der Fledermäuse. Sie besucht auch Schulklassen, um die Kinder für Fledermäuse zu begeistern. Großen Wert legt sie darauf, Vorurteile abzubauen, die viele Menschen fälschlich mit Fledermäusen verbinden, und sie betont die ökologische Rolle der Tiere, beispielsweise als Schädlingsbekämpfer in der Landwirtschaft.
Bildung und Hilfe
Der Tierschutz, also die Hilfe für einzelne Tiere, ist eine besonders anspruchsvolle Aufgabe. In der Regel sind die Fledermäuse geschwächt, sie brauchen Flüssigkeit und Nahrung. Fordernd ist auch die Aufzuchtzeit des Nachwuchses, denn der muss alle zwei bis drei Stunden mit Milch gefüttert werden. Marina Mariani markiert die Tiere, um sie unterscheiden zu können und gibt ihnen auch Namen; die haben oft einen Bezug zum Fundort, sie helfen, alle wieder an den richtigen Ort zu bringen.
Das Jahr der Fledermaus
Wenn ein Tier schwer verletzt ist, bekommt Mariani Hilfe von der Tierärztin Christina Crone oder von anderen Fachleuten. Manchmal braucht es nur Medikamente, doch manchmal muss ein Tier eingeschläfert werden. Das nennt Mariani den „harten Teil des Jobs“. Es sei aber besser, als ein Tier weiter leiden zu lassen, wenn ihm nicht mehr geholfen werden kann.
Dieses Jahr gibt Marina Mariani voraussichtlich keine Führungen mehr, aber zum April nächsten Jahres soll es an der Stiepeler Dorfkirche wieder eine geben. Zudem ist 2027 das Internationale Jahr der Fledermäuse, Marina Mariani wird sich sicher an einigen Aktionen beteiligen.
Die meiste Zeit bekommt man Fledermäuse kaum zu Gesicht, am ehesten wohl in der Abenddämmerung, wenn sie in flinken Manövern umherjagen, denen das Auge kaum folgen kann. So hat Marina Mariani noch eine Faustregel für Menschen, die Fledermäusen helfen wollen, nämlich, dass „jede Fledermaus, die man sieht, Hilfe braucht“.
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