
Dust Bunny
USA 2025, Laufzeit: 107 Min., FSK 16
Regie: Bryan Fuller
Darsteller: Mads Mikkelsen, Sophie Sloan, Sigourney Weaver
Leinwandprächtiger Genre-Bastard
Freud trifft Pulp trifft wilde Kerle
„Dust Bunny“ von Bryan Fuller
Die zehnjährige Aurora (Sophie Sloan) lebt mit ihren Eltern in einem Mehrfamilienhaus. Das Mädchen ist ziemlich einsam, baut sich im Kinderzimmer lebhafte, beängstigende Phantasiewelten auf und streunt des Tags gern durchs Treppenhaus. Dort begegnet sie ihrem geheimnisvollen Nachbarn (Mads Mikkelsen), der sich als Killer entpuppt. Aurora beschließt, ihn zu engagieren: Er soll dem Monster unter ihrem Bett, einem miesepetrigen, zerfledderten Riesenhasen, der alles verschlingt, was den Boden berührt, den Garaus machen. Der Nachbar knickt ein und wirft einen wohlwollenden Blick in die Wohnung. Aurora hat damit allerdings ein weiteres Problem: Sie kennt Gesicht und Profession des Fremden. Und das passt Laverne (Sigourney Weaver), der eng Vertrauten des Killers, so gar nicht.
Die Vorbilder von „Léon – Der Profi“ über das Figurenkarussell eines Tarantino bis zum Kosmos Jean-Pierre Jeunets („Delicatessen“, „Die fabelhafte Welt der Amélie“) sind, mitunter bis in Details, so offensichtlich, dass man eigentlich gar nicht explizit darauf zu verweisen braucht. Regisseur Bryan Fuller macht jedenfalls keinen Hehl daraus, wo seine cineastischen Vorlieben liegen und bedient sich eifrig seiner großen Spielzeugkiste. Bisher war der US-Amerikaner als Autor und Creator („Star Trek: Voyager“, „Heroes“, „Hannibal“) ausschließlich in seriellen Welten unterwegs. Jetzt also sein Spielfilm-Debüt: ein ordentlich besetzter, quietschbunter und ziemlich irrer Genre-Bastard.
Fantasy-Drama, Bilderbuchkrimi, psychoanalytisches Wunderland – Freud trifft Pulp wo die wilden Kerle wohnen: Fuller übt hier so manchen Spagat, was für die einen die Sache unausgegoren erscheinen lassen mag, während andere ihn womöglich für seinen Originalität beklatschen. Auf jeden Fall ein Hingucker: Vordergründig tobt sich der Regisseur in wunderbaren Bilderwelten aus – dem kindlichen Blick, der Erwachsenen in der Regel verschlossen ist. Doch Obacht: Die kleine, von Sophie Sloan hinreißend verkörperte Heldin mag gesegnet sein von großer Phantasie. Im Grund aber ist sie einsam und hat Angst. Auroras Realität nährt sich aus Traum und Trauma – Abgründe. Der Film spielt dabei mit der Wahrnehmung des Mädchens, die so greifbar ist, dass Fakt und Fiktion wundersam verschwimmen.
Zielgruppe könnten bei diesem Rahmen eigentlich unsere Kinder selbst sein. Sind sie aber nicht. Der fantastische, märchenhafte Überbau kommt nämlich mitunter recht furchteinflößend daher – hier fließt zwar kein Blut, aber es gruselt mit Wucht, und mancher Zweikampf ist nicht ohne. Dafür gibt’s ein FSK 16. Dass der bunte Reigen nicht ganz so harmlos und unschuldig daherkommt, wird nicht zuletzt darauf zurückzuführen sein, dass Fuller für sein Drama aus der eigenen Vergangenheit zehrt: „Ich bin mit einem gewalttätigen Vater aufgewachsen und wäre als Junge durchaus zufrieden damit gewesen, wenn ein Monster ihn gefressen hätte“, offenbart der Regisseur im Regiekommentar. Nun, der Wunsch ist seinem ersten Spielfilm Befehl. Ein Überraschungsfilm, der nebenbei augenzwinkernd unsere Phantasie sprengt.

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