Noch ist Ernst Adolf Steiger nicht in den Geschichtsbüchern verzeichnet. Der kürzlich verstorbene Versicherungsmathematiker zählt zu den großen Unbekannten, dem im Guinnessbuch der Obsessionen ein Platz gebührt. Die ganze Tragik seines Lebens wird aus einer austriakisch-deutschen Spannung heraus verstehbar...
Von Thomas Hirsch Bei aller inflationären Ausstellungsmacherei: Es gibt sie noch, die Wiederentdeckungen in der Kultur, auch in der älteren Kunst. Ein Beispiel dafür ist die prachtvoll inszenierte Ausstellung mit dem Maler Hans von Aachen im Suermondt-Ludwig-Museum. Dass Hans von Aachen (1552-1615) in weiteren Kreisen kaum bekannt ist, mag daran liegen, dass er eigentlich kein Neuerer ist.
Egal, wie schlecht es um die Kultur im Ruhrgebiet bestimmt ist, wie viele Theater und Schwimmbäder von der Schließung bedroht sind – in einem anderem Segment herrscht schon seit Jahren Konjunktur: dem der Großraumdiscos. Privatsender drehen Dokutainment im Delta Music Park, für einen Besuch in der Turbinenhalle kommen die Tanzwütigen von sehr weit her.
Jede Wurst hat zwei Zipfel. Und der Teufel scheißt immer auf den dicksten Haufen. Bedächtiges Nicken und ein stummes Genau begleiten gern solche Weisheiten. Doch worum geht es eigentlich?
So schnell hat ein Theater wohl selten reagiert, um aus einem aktuellen Zeitgeschehen ein Musical zu stricken. Kaum ist der „Quelle“-Konzern pleite, gibt es schon eine musikalische Hommage auf das legendäre Versandhaus. In der „Werkstatt“ der Bonner Oper hat Regisseur Jens Kerbel mit „Tausend Wünsche – eine Quelle oder Der Pfennig ist die Seele der Milliarde“ eine Revue eingerichtet...
„Köln ist dabei, einen furchtbaren Fehler zu machen“, protestierte Schauspielchefin Karin Beier am Informationstag zur anstehenden – und jetzt bereits gefällten – Ratsentscheidung in Sachen Sanierung oder Abriss des Kölner Schauspielhauses.
So viele waren es schon lange nicht mehr. 154 Dramen musste die Jury des Mülheimer Stücke-Festivals in diesem Jahr sichten. Schafften es in den letzten Jahrgängen selten mehr als 125-140 Autoren in die Auswahl, so dürfte diesmal vor allem die Krise viele angespornt haben. „Trendmäßig kann man von einer Repolitisierung der Dramatik sprechen, es gibt kaum noch private Familienstücke“, sagt der Sprecher der Auswahljury Wolfgang Kralicek.
Ob wohl einzelne der Fotografien an beiden Orten zu sehen sind? Während die meisten Ausstellungen mit Bernd und Hilla Becher vornehmlich die strengen Serien mit einzelnen Zweckbauten derselben Funktion zeigen, geht es nun gleich zweimal in NRW um die freieren Aufnahmen mit der Industrielandschaft des Ruhrgebietes: Die Zechen und Hütten sind auf diesen s/w-Fotos in ihre Umgebung eingebunden, als Einblick auch in die Großstruktur ihrer Anlagen.
Zischel, bong, bimpf. Hightech-Großrechner greifen auf Becken, Bongo und Highhat zu, punktgenaue Landung und mit der richtigen Intensität. Eine Mega-Schrankwand aus Gitterkörben, prall gefüllt mit Instrumenten vom Woodblock bis zur Wasserflaschenorgel, bildet die Hardware einer Zaubermusikmaschine namens „Orchestrion“. Pat Metheny, eigentlich Wundergitarrist aus Amerika, hat schon als Kind mit Opas Walzenklavier gespielt – er konnte nicht davon lassen. Bis heute nicht. Jetzt hat er sich seinen Kindheitstraum erfüllt und einen Musikautomaten der Jetztzeit erfunden, zwar Käfighaltung, aber nur mit Naturtönen operierend. Ein kleines Spezialistenteam hat ihm seinen aufwändigen Kinderwunsch realisiert, elektromagnetisiert und von seiner Gitarre steuerbar gefertigt – er ist der alleinige Kapitän am Steg seines Instruments. In seinen Konzerten in Köln und Dortmund rollte entsprechend zunächst ein LKW wie zum Rockkonzert vor, um das komplizierte Instrument am jeweiligen Ort aufzubauen. In Köln führten technische Probleme gleich zu einer halbstündigen Verspätung, was kritische Geister dazu bewog, doch wieder den Mensch der Maschine vorziehen zu wollen. Aber Menschen wollte Metheny gar nicht sparen oder ersetzen, er wollte vielmehr einen Musik- Golem schaffen. Die vier Elemente Erde, Luft, Wasser und Feuer hat er in seiner Maschine verwendet, im Material zum Instrumentenbau, im Gebläse für seine Flaschenorgeln, deren Pfeifentöne die Wassersäule bestimmt. Und zumindest bei seinem Kölner Besuch glimmte und rauchte eine Säule auf der Bühne mehrfach.
Erst zuckten einige Knie der Musiker im dicht gestaffelten Orchester nach oben, wie bei einem...

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