Es geht um eines dieser Paare, die ein Kind haben. Nennen wir sie einfach Tanja und Peter (alle Namen geändert). Sie leben in Düsseldorf, zusammen mit ihrem eineinhalb Jahre alten Sohn Georg. Pädagogen würden ihn als „lebhaft“ beschreiben, die Mutter sagt über ihn: „Er ist ein Rabauke.“ Tanja und Peter sind seit 2003 ein Paar, verheiratet sind sie bis heute nicht. Sie führen eine Fernbeziehung. Seit 2005 arbeitet er an Universitäten im Ausland, während sie in Deutschland ihre Ausbildung zum Facharzt abschließt. Eine Fernbeziehung – nicht schön, aber dank Nachtdienst und Spätflügen durchaus machbar.
Eigentlich wurde die Situation erst mit dem kleinen Georg problematisch. Nicht, weil der Vater im Ausland war, sondern wegen der deutschen Bürokratie. „Ich sollte nachweisen, dass Peter kein Kindergeld bezieht“, erzählt Tanja. Das Problem: Der Vater arbeitete zur gleichen Zeit in Großbritannien, wo eine vergleichbare Leistung eh nur für Mütter ausgezahlt wird. Und er hat kein Sorgerecht – Tanja ist offiziell alleinerziehend. „Warum ich mich darum kümmern sollte, war mir nicht so ganz klar.“ Letztlich verzögerte sich die Auszahlung des Kindergeldes. „Wenn wir verheiratet gewesen wären, dann wäre alles noch komplizierter geworden“, vermutet Vater Peter. Gerade, weil es praktische Gründe hat, stört es ihn nicht, kein Sorgerecht zu besitzen. Im Alltag mache es sich nicht bemerkbar: Arztbesuche mit Vater und Kind seien kein Problem, in der Kita weiß man auch Bescheid.
Das Wort „diskriminierend“ fällt lediglich, wenn Mutter Tanja auf die „Negativbescheinigung“ zu sprechen kommt. Diese benötigt man, um zu erklären, dass der Vater kein Sorgerecht besitzt. Damit verbinden sich Ansprüche auf einen längeren Bezug von Elterngeld, aber sie ist auch nötig, um als alleinerziehende Mutter ein Konto zu eröffnen. „Schon alleine der Begriff ist diskriminierend“, meint Tanja. Sie stört, dass sie sich als „alleinerziehende Mutter“ ausweisen muss. Ansonsten habe sie aber nicht das Gefühl, bevormundet zu werden – im Gegenteil, der „Besuchsdienst“ der Stadt Düsseldorf sei sehr hilfsbereit gewesen.
Nach dem Ende der Elternzeit stand die nächste Probe vor der Tür. Der kleine Georg brauchte einen Kita-Platz. Weil diese anonym vergeben werden und Alleinerziehende angeblich einen Bonus erhalten, rechnete sich Tanja gute Chancen aus – vergebens. „Ich habe von Paaren gehört, die verheiratet waren und einen Platz erhalten haben“, erzählt Tanja. „Da fragt man sich schon nach den Kriterien.“ Auch die Suche nach einem privaten Kita-Platz sei schwer gewesen, ergänzt ihr Freund. Und dann ist da noch die Sache mit den Familienmitgliedern. Beide kommen vom Land, da heiratet man eigentlich. Ob das jemals geschieht, lassen Tanja und Peter offen, erst mal wird Georg getauft. „Bevor das Kind da war, wollte ich auf jeden Fall heiraten“, meint Tanja. „Jetzt ist ja klar, dass wir immer eine Verbindung haben.“
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