Es hapert an vielen Dingen in der Domstadt. Insbesondere wackeln gerade die kulturellen Einrichtungen – der alte Hut drückt selbst einen coolen Profi wie den aktuellen Kulturdezernenten, der wohl gern seinen Posten quitt würde.
Es war überraschend, als vor einigen Monaten die Idee publik wurde, das damals schon baufällige Freizeitzentrum West in einen repräsentativen Bau am Kreativzentrum Dortmunder U mitten in der Innenstadt umziehen zu lassen.
Auch wenn der Broadway immer noch das „Musical-Paradies“ ist, das Londoner Westend ist mittlerweile mehr als nur das „Vorzimmer“ zum „gelobten (Musical-) Land“.
An allen Zugängen vereiteln Besucherschleusen den Druck von größeren Gruppen. Zutritt erfolgt mit Termin und mit einem Besucherausweis. Führungskräfte bewegen sich außerhalb des „heiligen Bezirks“ in dezenten Limousinen, ein spezieller Fahrdienst chauffiert die Macher.
In der alten Feuerwache in der Südstadt wurde unter Hochdruck gearbeitet; auf jeder Etage des Baus wuselten Arbeiter herum. Vor dem Haus türmten sich noch die Sandhaufen, im zweiten Stock wurden schon Lampen montiert, unter dem Dach fand eine Architektenbesprechung statt.
Während die Mitarbeiter und Ensembles der Stadttheater in die wohlverdienten Ferien gehen, blühen die immer zahlreicher werdenden Freiluft- Bühnen im Lande auf. Besonders nachmittägliche Familien- und Kindervorstellungen werden immer beliebter, wobei Musical-Inszenierungen wieder einen Großteil der Darbietungen ausmachen. Aber bevor wir in die Sommerfrische aufbrechen, noch ein kleiner Ausflug in den „geschlossenen (Theater-)Raum“ – was vielleicht auch dem Titel des Stücks „geschuldet“ ist: „Singin‘ in the Rain“. Absolventen der Kölner Arturo-Schauspielschule agieren in Bianca Lehnards „stummer“ Adaption simultan zum deutschen Synchronton des Films und lassen diese einmalige „Bild- und Tonwerdung der guten Laune“, die dem Zuschauer das Gefühl vermittelt, aufspringen und mittanzen zu müssen, in einem neuen, ironisierenden Gewand auferstehen (Bauturm Theater Köln, 4./6.8.). In den Füßen juckt es einen auch bei „Fame“ auf der Freilichtbühne Meppen (31.7./6./7./13./14./20./21./27./28.8.).
Auf zum schönen Niederrhein! Dort sind gegenwärtig zwei der hinreißendsten und innigsten Ausstellungen in NRW zu sehen: mit herman de vries auf Schloss Moyland bei Bedburg und Ettore Spalletti im Museum Kurhaus in Kleve...
Dass im Sommer nix los ist mit der Live-Musik, das sind Nachrichten von gestern. Alle Welt lockt mit Summer-Specials die Daheimgebliebenen, die durch Häuslichkeit eingesparten Euroscheine für kleine Festivals mit anerkannten Größen locker zu machen.
Der ÖPNV ist ein guter Freund des Clubbers. Damit ist nicht nur die kleine Schmalspurbahn im Westfalenpark gemeint, auf der sich die Besucher des diesjährigen Juicy Beats zum ersten Dortmunder Auftritt der Goldenen Zitronen seit einem Neonazi-Überfall auf ihr Silvesterkonzert vor knapp 20 Jahren kutschieren lassen können.
Auch wenn die meisten Theater hierzulande in den Sommerferien ihre verdiente Pause machen, braucht man nicht unbedingt an den Broadway oder ins Londoner Westend zu fahren, um seiner Musical-Leidenschaft nachzugehen.

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